Rohstoffsicherung und Raumordnung

»Die Notwendigkeit einer sicheren Rohstoffversorgung muss von allen Beteiligten der Öffentlichkeit erklärt werden. Die mehrstufigen Planungs- und Genehmigungsverfahren samt Beteiligung stellen sicher, dass nur die geeignetsten Gebiete zum Abbau kommen – demokratisch legitimiert und im Rahmen der Gesetzgebung.«

Oliver Mohr, Meichle + Mohr GmbH, Immenstaad,
Vizepräsident und Vorsitzender des Umwelt- und Rohstoffausschusses im ISTE


Dafür stehen wir:

Der ISTE bündelt die Belange der Rohstoffwirtschaft und tritt gegenüber der Regional- und Landesplanung und den betroffenen Fachbehörden als Interessensvertreter und fachlicher Ansprechpartner auf. Tätigkeitsschwerpunkt ist die aktive Begleitung der Rohstoffsicherung in den Regionalplänen der zwölf Planungsregionen im Land. Darüber hinaus bringt sich der ISTE in sämtliche überörtliche Planungen ein, die in direktem oder indirektem Zusammenhang zu den Rohstoffgewinnungsstätten des Landes und deren Gesteinsvorkommen stehen. 

Ziel ist eine nachhaltige Rohstoffsicherung. Dafür werden in den überörtlichen Plänen und Programmen die räumlichen Voraussetzungen geschaffen – durch Gebietsdarstellungen für die langfristig vorsorgende Sicherung sowie die geordnete Aufsuchung und Gewinnung von standortgebundenen Rohstoffen. 

Verbrauchsnahe Abbaustätten sind wichtig

Angestrebt wird eine dezentrale Verteilung der Rohstoffgewinnungsstätten und der zu sichernden Flächen über das Land. Hierdurch werden Transportwege minimiert und Emissionen durch den Verkehr vermieden. Eine Reduzierung der Zahl der Gewinnungsstätten soll durch die Regionalplanung aus Sicht des ISTE vermieden werden, um keine übermäßigen Beeinträchtigungen an wenigen Großstandorten entstehen zu lassen. Außerdem wird damit die Versorgungssicherheit erhöht, die angesichts länger andauernder Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie Zugriffsschwierigkeiten zunehmend gefährdet wird. 

Neuaufschlüsse sind nötig

Bestehende Abbaustätten sollen bis zur Neige abgebaut werden. Der Erweiterung ist gegenüber Neuaufschlüssen der Vorzug zu geben. Letztere sind aber für die Sicherstellung der Rohstoffversorgung zwingend erforderlich. Die Regionalpolitik muss dies erkennen und Gebiete hierfür vorsehen. Ziel sollte sein, jede nicht erweiterbare regionalbedeutsame Abbaustätte durch einen Neuaufschluss zu ersetzen. Diese Neuaufschlüsse sind an Standorten mit hoher Rohstoffmächtigkeit und -qualität mit möglichst geringen Nutzungskonflikten und geringen Abraummächtigkeiten zu errichten. Die Mitnutzung bestehender Werksinfrastruktur ist vorteilhaft, insbesondere auch von Schiffsverladeanlagen an Rhein und Neckar. Die Abbaustätten in Baden-Württemberg werden unter Berücksichtigung aller relevanten Schutzgüter optimiert. Schließlich sollen die Produkte entsprechend ihrer Qualität einer möglichst hochwertigen Verwendung zugeführt werden. Um in der Regionalplanung die tatsächlichen Schwierigkeiten in den Genehmigungsverfahren, beim Grunderwerb und beim Abbau selbst angemessen zu berücksichtigen, ist auf eine den wirtschaftlichen Erfordernissen angepasste Dimensionierung der Vorranggebiete durch Beachtung verschiedener Belange, wie sie im Entwurf des neuen Rohstoffkonzepts ausgeführt sind, Wert zu legen.

Optimierung der Planungszeiträume der Rohstoffsicherung

Der ISTE befürwortet eine Festlegung der Abbaugebiete für einen Zeitraum von mindestens 25 Jahren. Die Dauer des Planungsprozesses zur Rohstoffsicherung von regelmäßig einem Jahrzehnt, zuzüglich der zeitlich unkalkulierbaren Genehmigungsverfahren stehen in keinem Verhältnis mehr zu den bisherigen Zeiträumen. Folge ist derzeit nicht selten die weitgehende Einstellung der Gewinnungstätigkeit und damit die Gefährdung von Arbeitsplätzen und Unternehmen während der Regionalplanfortschreibungen aufgrund erschöpfter Vorräte und fehlender behördlicher Lösungsbereitschaft. Außerdem sollte eine über den zweiten Planungszeitraum hinausgehende lagerstättenbezogene Rohstoffsicherung in Betracht gezogen werden, um die Zugänglichkeit zu bauwürdigen Rohstoffvorkommen dauerhaft sicherzustellen. Der Entwurf des Rohstoffkonzeptes zeigt hierzu erste Lösungsansätze auf. Die Überplanung dieser Vorkommen durch bauliche, wasser- oder naturschutzrechtliche Vorhaben ist mit einer nachhaltigen Entwicklung nicht vereinbar. 

Die Rohstoffwirtschaft leistet einen wesentlichen Beitrag für funktionierende regionale Wirtschaftskreisläufe und stellt insbesondere im ländlichen Raum dauerhaft Arbeitsplätze zur Verfügung. Der ISTE setzt sich intensiv dafür ein, dass diese Strukturen erhalten und gefördert werden und Baden-Württemberg seinen Baustoffbedarf weiterhin aus heimischen Lagerstätten decken kann.

Wissensvorsprung durch digitale Geodaten

Im Zuge von Rohstoffsicherung und Rohstoffgewinnung ist der Zugriff auf raumbezogene Daten für Unternehmen essentiell. Das vom Bundesverband MIRO und den Landesrohstoffverbänden finanzierte und ständig weiterentwickelte Geoinformationssystem GisInfoService bietet ein komfortables Werkzeug, um relevante Geodaten rund um einen Abbaustandort darzustellen und auszuwerten.  

Weitere Informationen unter www.GisInfoService.de

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Rohstoffsicherung und Raumordnung – Entwicklungen und Aktivitäten

Ausschuss für Umwelt- und Rohstoffpolitik   Zum Artikel

Konzept Nachhaltige Nutzung mineralischer Rohstoffe in Baden-Württemberg   Zum Artikel

Planungssicherstellungsgesetz   Zum Artikel

Regionalplanung zur Rohstoffsicherung   Zum Artikel

GisInfoService   Zum Artikel

Forderungen an die Politik   Zum Artikel


Ausschuss für Umwelt- und Rohstoffpolitik

Der Ausschuss für Umwelt- und Rohstoffpolitik hat sich im Berichtszeitraum am 6. Oktober 2020 und am 2. März 2021 in Form einer Videokonferenz getroffen und über die aktuellen Entwicklungen in Gesetzgebung, Rechtsprechung, Verwaltungshandeln und Projektarbeit ausgetauscht. In den Ausschuss sind über 30 Vertreter:innen aus allen Fachgruppen des ISTE gewählt, die in ihren Unternehmen für die Rohstoffsicherungs- und Umweltfragen verantwortlich sind. Sie beraten die Geschäftsstelle in praktischen Auswirkungen von Verordnungen und Gesetzesvorhaben.

Zentrale Themen waren in beiden Sitzungen gesetzliche Neuerungen auf Landes- und Bundesebene sowie verschieden Pläne und Konzepte auf Landes- und regionaler Ebene.

Jurakalksteinbruch im Markgräfler Land zur Herstellung von Kalkprodukten aus gebranntem und nichtgebranntem Kalkstein

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Kiesgrube im Trocken- und Nassabbau in der Region Bodensee-Oberschwaben zur Herstellung von Splitten, Schotter, Gemischen und Brechsanden für den Verkehrswegebau, für Baustoffe und als Betonzuschlag

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Konzept Nachhaltige Nutzung mineralischer Rohstoffe in Baden-Württemberg

Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft hat am 24.3.2021 den Entwurf des Rohstoffkonzeptes (vormals Rohstoffstrategie) in die Verbändeanhörung gegeben. Ebenfalls wurde die Öffentlichkeit über ein Internetportal beteiligt. Die Resonanz war mit 19 Stellungnahmen jedoch recht gering und häufig von Partikularinteressen geprägt.

Der ISTE hat in Abstimmung mit den Bundesfachverbänden sowie verschiedenen Kammern und Verbänden aus dem Land eine Stellungnahme abgegeben um Verbesserungsmöglichkeiten für das Konzept aufzuzeigen welches einen starken Schwerpunkt auf Recycling und Ressourceneffizienz legt, jedoch im Bereich der Sicherung und Gewinnung von Primärrohstoffen jedoch hinter den Möglichkeiten zurückbleibt, die Branche im Land in eine dauerhaft wirtschaftlich tragfähige und an sämtlichen Nachhaltigkeitsgesichtspunkten ausgerichtete Zukunft zu führen. Inwieweit das Ministerium unsere sachlichen und umfassend begründeten Argumente aufgreifen wird, bleibt abzuwarten.

Das Ministerium sichtet und bewertet derzeit die Stellungnahmen und finalisiert in Abstimmung mit den anderen betroffenen Ministerien das Rohstoffkonzept für die Landesregierung zur Verabschiedung.

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Planungssicherstellungsgesetz

Das Planungssicherstellungsgesetz wurde über den 31.03.2021 hinaus bis Ende 2022 zuzüglich Übergangsregelungen verlängert. Es ermöglicht, Planungs- und Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung auch unter den erschwerten Bedingungen während der Pandemie ordnungsgemäß durchführen zu können und greift auf alle Steine-Erden-relevanten Rechtsbereiche durch. Nach anfänglicher Zurückhaltung werden die Möglichkeiten des Gesetzes z. B. zur Durchführung von Onlinekonsultationen anstelle von Präsenzterminen häufiger genutzt. Erste Erfahrungen zeigen, dass sich die Regelungen bewährt haben und den Austausch von fachlichen Belangen in den formellen Verfahren gut gewährleisten um alle relevanten Belange in die Erteilung der Genehmigung einfließen lassen zu können.

Eine dauerhafte Etablierung der Elemente aus dem Planungssicherstellungsgesetz über die Pandemie hinaus in den einzelnen Fachgesetzen sowie weitere Vereinfachungen und Beschleunigungen in den Planungs- und Genehmigungsverfahren erscheinen vor dem Hintergrund der gewonnenen Erfahrungen begründet und sinnvoll. Außerdem wären sie angesichts ausufernder Prozess- und Verfahrensdauern überaus nötig und wünschenswert.

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Regionalplanung zur Rohstoffsicherung

Den Regionalverbänden in Baden-Württemberg obliegt die gesetzliche Pflicht nach dem Raumordnungsgesetz, die räumlichen Voraussetzungen für die vorsorgende Sicherung sowie für die geordnete Aufsuchung und Gewinnung von standortgebundenen Rohstoffen zu schaffen. Sie übernehmen diese Aufgabe in Ermangelung einer Fachplanung für die meisten mineralischen Rohstoffe. Landesrechtliche Regelungen differenzieren dies weiter aus und ermöglichen die Festlegung von Gebieten für den Abbau oberflächennaher Rohstoffe für einen Zeitraum von 20 Jahren sowie von Gebieten zur Sicherung von Rohstoffen für die nachfolgenden 25 Jahre. Der Entwurf des Rohstoffkonzepts gibt hierzu weitere Hinweise wie hiermit in künftigen Verfahren umzugehen ist.

Der ISTE wirkt in allen Regionen, die sich derzeit in Planungsverfahren befinden, darauf hin, dass ausreichend Gebiete festgelegt werden, um die für die Gesellschaft zu sichernden Rohstoffmengen tatsächlich gewinnen zu können und dass der Planungsauftrag der jeweiligen Regionalverbände erfüllt wird. Die Regionalpolitik muss sich vergegenwärtigen, dass die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen sind und keine Befugnis zur Mengensteuerung im Sinne einer planerischen Reduzierung von zu sichernden Rohstoffmengen besteht. In diesem Fall wäre ein Regionalplan nicht genehmigungsfähig und bedürfte einer erneuten Überarbeitung.

 

Region Bodensee-Oberschwaben

Der Regionalverband hat im Rahmen der zweiten Offenlage das Kapitel Rohstoffsicherung sowie die übrigen in Fortschreibung befindlichen Kapitel zusammengeführt. Gegenüber dem ersten Entwurf wurden an einzelnen Standorten kleinere Anpassungen durchgeführt, die insbesondere einer vollständigeren Ausnutzung von Lagerstätten sowie deren Erschließung dienen.

Die im Verfahren sehr umfangreich eingegangenen Stellungnahmen führten nach Abwägung durch die Verbandsversammlung zu keiner Änderung der Gebietskulisse. In den Plansätzen zum Freiraumkapitel, welches auch die Rohstoffsicherung beinhaltet, ergaben sich insbesondere aufgrund der Stellungnahmen des Regierungspräsidiums und des zuständigen Ministeriums Klarstellungen, die restriktiver auf die nachfolgenden Genehmigungsverfahren zur Rohstoffgewinnung wirken werden.

In der Sitzung der Verbandsversammlung vom 25.06.2021 wurde die Satzung trotz großen Drucks einzelner Interessensgruppen mit großer Mehrheit beschlossen und soll im Anschluss dem Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen zur Genehmigung vorgelegt werden, bevor der neue Regionalplan nach Veröffentlichung verbindlich wird.

Kieswerk in der Region Bodensee-Oberschwaben zur Herstellung von Brechsanden, Splitten, Schotter, Gemischen und mehr

 

 

Region Donau-Iller

Die Offenlage zum Entwurf des Regionalplans Donau-Iller endete bereits im letzten Berichtszeitraum im Januar 2020. Seither gab es zum Kapitel Rohstoffsicherung keine Befassung in den Gremien, da die Geschäftsstelle des Regionalverbands erst in der zweiten Hälfte dieses Jahres - also nach eineinhalb Jahren - die eingegangenen Stellungnahmen auswerten und Vorschläge für den zweiten Entwurf erarbeiten wird.

Während dieser Zeit verknappen sich die Reserven an einigen Standorten massiv und teilweise werksgefährdend. Da sich die Genehmigungsverfahren an das Regionalplanverfahren auch noch anschließen, ist eine deutliche Beschleunigung des Verfahrens dringend erforderlich und die Durchführung von Genehmigungsverfahren auf der Grundlage von sonstigen Erfordernissen der Raumordnung angezeigt. Demgegenüber hat der Regionalverband bereits seine überarbeiteten Vorstellungen zur Sicherung von Wasservorkommen vorgestellt. Diese müssen aus Sicht der Rohstoffgewinnung in einigen Fällen entschieden zurückgewiesen werden, da es hierdurch bei geringen Grundwasserflurabständen über das Nassabbauverbot in den Gebieten zur Sicherung von Wasservorkommen faktisch zu einem generellen Abbauverbot kommt. Der ISTE bemüht sich in enger Abstimmung mit dem Bayerischen Industrieverband Baustoffe, Steine und Erden e.V. (BIV) intensiv um sachliche Problemlösungen um die Planungskonflikte zu reduzieren.

Rekultivierter Teil einer Kiesgrube im Trocken- und Nassabbau in der Region Donau-Iller

 

Region Heilbronn-Franken

Die Einleitung einer Fortschreibung der Rohstoffsicherung wird von Seiten des Regionalverbands in zwei bis drei Jahren gesehen. Das LGRB führt derzeit die Arbeiten an der Karte mineralischer Rohstoffe im Regionsgebiet weiter.

 

Region Hochrhein-Bodensee

Die Verbandsversammlung hat in ihrer Sitzung am 27. April 2021 den Teilregionalplan zur Rohstoffsicherung beschlossen. In der vorangegangenen Abwägung wurde den Stellungnahmen der Industrie z.B. hinsichtlich der erforderlichen zu sichernden Mengen an Kiesen und Sanden, der Wiederaufnahme von im bisherigen Plan sowie im ersten Entwurf enthaltenen Neuaufschlüssen oder auch hinsichtlich der Formulierungen der Plansätze nicht gefolgt. Mit der Planung setzt die Regionalpolitik eine Abwärtsspirale in Richtung der Aufgabe der dezentralen und bedarfsgerechten Rohstoffgewinnung fort: 1992 waren noch 99, 2005 noch 68 und derzeit noch 53 Gewinnungsstellen in Betrieb.

Der neue Plan hat an 36 regionalbedeutsamen Standorten Vorranggebiete festgelegt. Erfolgt hier keine zukunftsorientierte Überarbeitung, sind zum Ende der Laufzeit des Planes 2040 nur noch rund 17 regionalbedeutsame Gewinnungsstätten in Nutzung – und dies auch nur, wenn alle vorgesehenen Neuaufschlüsse umgesetzt würden. Für die Rohstoffgruppe der Sande und Kiese wird mit den festgelegten Vorranggebieten der erforderliche Bedarf langfristig nicht gedeckt. Somit müssen weitere Gebiete erschlossen werden, ohne dass eine Steuerung durch die Regionalplanung erfolgt.

Ob der Plan angesichts der zu gering dimensionierten Vorranggebiete für den Abbau bei den Lockergesteinen vom Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen genehmigt werden kann, ist derzeit noch offen.

Kiesgrube im Hegau zur Herstellung von Gesteinskörnungen für den Verkehrswegebau, für Baustoffe und als Betonzuschlag

 

Region Mittlerer Oberrhein

Der Regionalverband hat im Frühjahr 2021 die erste Offenlage der Gesamtfortschreibung des Regionalplans (ohne Lockergesteine) durchgeführt. Die rohstoffgewinnende Industrie ist vor allem hinsichtlich der Festlegung von Vorranggebieten für die Festgesteinsgewinnung sowie von Gebieten zur Sicherung von Wasservorkommen tangiert. Im vorliegenden Entwurf hat der Regionalverband seinen Planungsauftrag zur Festlegung von Vorranggebieten für den Abbau und zur Sicherung von Zementrohstoffen bisher nicht umgesetzt. Der zweite Entwurf muss daher diesbezüglich überarbeitet werden, worauf die Industrie intensiv hinwirkt. Für die Natursteinbrüche sind hingegen im Entwurf angemessene Gebietsfestlegungen vorgesehen.

Die vier Gebiete zur Sicherung von Wasservorkommen laufen hingegen einer Fortführung der Kiesgewinnung an verschiedenen Standorten entgegen. Mit einer vorläufigen Festlegung von Vorbehaltsgebieten, die in Vorranggebiete überführt werden sollen, wird die Rohstoffsicherung für Kiese und Sande unterlaufen und noch verbleibende Regionsteile ohne verbindliche Wasserschutzgebiete werden überplant. Der Industrieverband hinterfragt die Erforderlichkeit dieser Festlegungen angesichts nicht ausgeschöpfter Entnahmemengen in bestehenden Wasserschutzgebieten. Auf der anderen Seite wird deutlich, dass eine Verträglichkeit der Trinkwassergewinnung mit dem Nassabbau offensichtlich ohne vertiefte Untersuchungen gegeben ist, da ansonsten keine Festlegung der im Entwurf der Raumnutzungskarte dargestellten Gebiete möglich wäre.

 

Region Nordschwarzwald         

Der Regionalverband erarbeitet auf Grundlage der Interessensgebietsmeldung aus dem vergangenen Jahr einen Arbeitsentwurf zum Kapitel Rohstoffsicherung zur Fortschreibung des Regionalplans. Mit einer ersten öffentlichen Befassung im Planungsausschuss ist noch in diesem Jahr zu rechnen.

 

Region Stuttgart

Der Aufstellungsbeschluss für das Regionalplanänderungsverfahren zu verschiedenen Steinbrüchen in der Region steht auch nach einem Jahr Verzögerung noch aus. Eine Befassung des Planungsausschusses zu grundsätzlichen Fragen der Rohstoffsicherung erfolgte am 4.11.2020. Eine Befassung der Regionalversammlung wurde für Ende Juli 2021 avisiert.

Mit der Änderung könnten die betroffenen Schotterwerke im Großraum Stuttgart ihren Fortbestand sichern und zur Versorgungssicherheit beitragen. Da die Region Stuttgart ihren Rohstoffbedarf nur zu vierzig Prozent selbst deckt, ist es unerlässlich, bestehende Standorte weiterzuentwickeln und perspektivisch Neuaufschlüsse zu planen, um diesen Anteil nicht noch weiter absinken zu lassen.

 

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GisInfoService

Höhere Ansprüche bei der digitalen Erfassung und Verwaltung von Flurstückinformationen, Verträgen und Genehmigungen sowie eine wachsende Notwendigkeit für digitale Schnittstellen zwischen verschiedenen Softwaresystemen haben auch vor dem Geoinformationssystem GisInfoService nicht Halt gemacht. Die immer weiter steigenden Anforderungen haben dazu geführt, bei der Neuausrichtung des GisInfoServices auf die langjährige Expertise der Firma DOHMEN, HERZOG & Partner GmbH (DH&P) aus Aachen im Bereich der Liegenschafts-, Vertrags- und Genehmigungsverwaltung zurückzugreifen.

Seit Herbst 2020 wird nun das Grundstücksmodul von GisInfoService bei den bisherigen Nutzer:innen nach und nach auf die Software von DH&P umgestellt. Dabei werden die bestehenden Datenbanken in das neue System überführt und auf Wunsch auch noch weitere (grafische und alphanumerische) Informationen eingebunden. Inzwischen nutzt rund ein Drittel der Grundstücksmodul-Kund:innen das neue System, bis zum Jahresende sollte die Umstellung auch bei den restlichen Unternehmen erfolgt sein.

Die neue Basis-Version

Eine neue, länderübergreifende Basis-Version befindet sich momentan in der Test- und Aufbauphase. Diese wird wie bisher von den meisten Landesrohstoffverbänden (ABBM, BIV, ISTE, vero, VSE) sowie dem Bundesverband Mineralische Rohstoffe e.V. (MIRO) finanziert und ist für die betreffenden Mitgliedsunternehmen kostenfrei.

In der neuen Basis-Variante werden zukünftig alle für die Rohstoffbranche relevanten kostenfreien Geodatendienste den registrierten Nutzer:innen bundesweit zur Verfügung gestellt. Lediglich die kostenpflichtigen Geodaten sind den Mitgliedern des entsprechenden finanzierenden Landesverbands vorenthalten. Die Nutzenden können individuell festlegen, welche Geodaten (aus welchen Bundesländern sowie aus welchen Themenfeldern) ihnen zur Darstellung angeboten werden. Diese Auswahl lässt sich jederzeit neu konfigurieren.  

Die Umstellung auf die neue Basis-Version ist im Herbst 2021 geplant; die registrierten Unternehmen werden hierüber über den GisInfoService-Schriftgutverteiler informiert. Es ist vorgesehen, das neue System und die sich dadurch ergebenden Veränderungen in Form von Webseminaren/ Online-Schulungen vorzustellen und Anwendungsbeispiele zu erläutern.

 

Eine Übersicht über das "neue" GisInfoService und die sich daraus ergebenden Verbesserungen sind in folgender Abbildung zusammengestellt.

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Forderungen an die Politik
  • Die Rohstoffsicherung als hoheitliche Aufgabe der Daseinsvorsorge muss so gestaltet werden, dass eine dauerhafte Rohstoffsicherung auf allen Ebenen gegeben ist. Die Rohstoffsicherung und -gewinnung bedarf durch die Ortsgebundenheit der Vorkommen eines besonderen Schutzes und muss unabhängig von prognostizierten Fördermengen erfolgen.
  • Zur Gewährleistung von Planungs- und Investitionssicherheit sowie zum Ressourcenschutz müssen Abbaugebiete für 25 Jahre und Sicherungsgebiete zeitlich unabhängig und lagerstättenbezogen dimensioniert werden.
  • Bewusstseinsschaffung und Erhöhung der Akzeptanz der im öffentlichen Interesse stehenden Rohstoffsicherung durch Politik, Wirtschaft und Verwaltung bei der Bevölkerung
  • Durchsetzung der gesetzlichen Aufgabe der Rohstoffsicherung im öffentlichen Interesse gegenüber Individualinteressen
  • Einheitliche Anwendung bundesgesetzlicher Regelungen, z.B. Bundesimmissionsschutzgesetz, bei den Genehmigungsbehörden
  • Beschleunigung und Verschlankung von Planungs- und Genehmigungsverfahren durch Reduzierung der Untersuchungsumfänge auf tatsächlich entscheidungsrelevante Belange und Nutzung von Ermessensspielräumen sowie zielgerichteter Personaleinsatz zur Beurteilung und Ermöglichung von Vorhaben der Industrie
  • Förderung der dezentralen und verbrauchsnahen Rohstoffgewinnung

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