Technik und Normung
»Die Anhebung des zulässigen Lkw-Gesamtgewichtes auf 44 Tonnen kann Transporte effizienter gestalten, CO2-Emissionen reduzieren und Infrastruktur entlasten. Gemeinsam mit schnelleren Verfahren, weniger Bürokratie und produktneutralen Ausschreibungen stärkt sie die regionale Versorgung mit heimischen mineralischen Rohstoffen.«
Karl Kraft, Karl Kraft Steinwerke OHG,
Vorsitzender der Fachgruppe Naturstein
Dafür stehen wir
Eine der wesentlichen Aufgaben der Abteilung Technik im ISTE ist es, Normen, technische Regelwerke und Umweltstandards aktiv mitzugestalten, sodass die Produkte der heimischen Steine- und Erdenindustrie sowie die daraus hergestellten Bauprodukte auch weiterhin uneingeschränkt verwendet werden können. Dazu gehört die kompetente technisch-wissenschaftliche Betreuung bei Produktion, Marktzutritt und Verwendung von Baustoffen. Ein interdisziplinäres Team von Ingenieur- und Geowissenschaftler:innen sowie Baustoffprüfer:innen entwickelt organisationsübergreifend qualifizierte, praxisnahe und effiziente Konzepte. Die Erfahrungen aus der Praxis werden in neuen oder aktualisierten Regelwerken berücksichtigt. Umsetzungshilfen für die Anwendung werden bereitgestellt. Ein umfassendes Schulungsangebot für die Produzenten sowie die individuelle Beratung in technischen Fragen runden das Leistungsspektrum ab. Der ISTE setzt sich für vergleichbare und praxisgerechte Marktvoraussetzungen ein. Technische Lieferbedingungen für primäre und sekundäre Baustoffe dürfen sich ausschließlich am Verwendungszweck orientieren.
Aktive Mitarbeit in den entscheidenden Gremien sichert mittel- und langfristig unseren Marktzutritt
Um den Marktzutritt sicherzustellen, arbeiten ehrenamtliche Unternehmensvertretungen und der ISTE in Normungsgremien mit und bringen so ihren Sachverstand und ihre Erfahrungen ein. Dies ist für die Baustoffindustrie wichtig, weil die Orientierung der Mitarbeiterstruktur der technischen Gremien aus den Bereichen Wirtschaft, Verwaltung, Ingenieurbüros und Wissenschaft nicht regionalspezifisch ist.Die Auswirkungen von neuen Prüfverfahren oder Anforderungskriterien werden daher von den Ausschüssen nicht immer zutreffend eingeschätzt.
Durch die aktive Mitarbeit der Fachgruppen und personelle Vernetzung mit den Unternehmen werden Märkte gesichert sowie neue Verwendungsmöglichkeiten und Innovationen geschaffen. Der ISTE vertritt direkt sowie indirekt über die Bundesverbände die Interessen seiner Mitglieder in den europäischen Gremien und nationalen Spiegelausschüssen.
Über seine Fachgruppen Sand und Kies, Naturstein, Naturwerkstein, Transportbeton sowie Recycling-Baustoffe und Boden wirkt der ISTE in den technischen Gremien des Deutschen Institutes für Normung (DIN), der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) und des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton (DAfStb) mit.
Die wesentlichen Gremien der FGSV für den Bereich Straßenbau, in denen der ISTE vertreten ist, sind beispielhaft folgende:
• Arbeitsgruppe 5: Erd- und Grundbau
• Arbeitsgruppe 6: Gesteinskörnungen, ungebundene Bauweisen, optimale Ressourcennutzung
• Arbeitsgruppen 7 und 8: Asphalt- und Betonbauweisen
Darüber hinaus arbeitet der ISTE mit Unterstützung des Ehrenamts in den technischen Gremien der Bundesverbände Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e.V. (bbs), Bundesverband Mineralische Rohstoffe e.V. (MIRO), Bundesverband der Deutschen Transportbetonindustrie e.V. (BTB) und Bundesvereinigung Recycling-Baustoffe e.V. (BRB) mit.
Weil neue europäische Normen in das nationale Regelwerk umgesetzt und bestehende Normen überarbeitet werden müssen, ist die permanente Mitwirkung der Landesverbände in den Gremien bei der Aktualisierung und Fortschreibung des Regelwerks für die Sicherstellung des Marktzugangs entscheidend.
Landesspezifische geologische Voraussetzungen müssen bei der Normung berücksichtigt werden
Über die Fachgruppen werden Prüfdaten von Gesteinskennwerten ermittelt, gesammelt und ausgewertet sowie bei der Fortschreibung der Regelwerke für Gesteinskörnungen, Baustoffgemische, Asphalt und Beton in die entscheidenden Gremien eingebracht. Der ISTE arbeitet hierfür eng mit folgenden Organisationen zusammen: BÜV-ZERT, Baustoffprüfgesellschaft mbH, Güteschutz Naturstein, QRB und ARGE Beton.
So kann für die Unternehmen sichergestellt werden, dass Baustoffe aus Baden-Württemberg mit den spezifischen geologischen Eigenschaften dauerhaft in einem möglichst breiten Anwendungsspektrum verwendet werden können. Dadurch können regionale Rohstoffvorkommen umweltfreundlich und wirtschaftlich in der Nähe der Gewinnung verwendet werden. Weite Transportwege und unnötige Kosten werden vermieden.
Bei komplexeren Fragestellungen führen die Fachgruppen eigene Forschungsvorhaben durch. Dabei spielen Langzeiterfahrungen und Praxiserprobung unter realistischen Einsatzbedingungen eine wesentliche Rolle.
Der ISTE pflegt den fachlichen Austausch mit Hochschulen, Materialprüfungsanstalten und der Verwaltung.
Bei unvollständigen oder falschen Ausschreibungen von Baustoffen bietet der ISTE im konkreten Fall seinen Mitgliedern individuelle Beratung und Unterstützung an.
Gesteinsbaustoffe – Entwicklungen und Aktivitäten
Technische und umweltrelevante Rahmenbedingungen für den Marktzugang aktiv mitgestalten Zum Artikel
Europäische Normung und Technische Lieferbedingungen für Gesteinskörnungen und ungebundene Gemische - Update 2026 Zum Artikel
Bedeutung des „CPR Acquis”-Prozesses für die nationale Gremienarbeit Zum Artikel
Einführungserlass zur Fortschreibung der ZTV-ING – Ausgabe 2026/01 Zum Artikel
Technische Forschung und fachlicher Austausch Zum Artikel
Digitalisierung in der Baustofflogistik Zum Artikel
Arbeitskreis Technische Öffentlichkeitsarbeit Zum Artikel
17. Techniktag der Schotterindustrie Zum Artikel
16. Preisverleihung der Friedrich-von-Alberti-Stiftung Zum Artikel
EUROSCHOTTER-Treffen 2025 Zum Artikel
15. Baustoff-Technik-Tag: Nachhaltig, smart und praxisorientiert Zum Artikel
Blick hinter die Kulissen des Engelbergtunnels Zum Artikel
Forderungen an die Politik Zum Artikel
Technische und umweltrelevante Rahmenbedingungen für den Marktzugang aktiv mitgestalten
Anforderungen an unsere Gesteinskörnungen „rund, eckig oder gebraucht“ und deren Anwendung werden in Normen und Richtlinien definiert.
Eine Vielzahl an Vertreter: innen unserer Mitgliedsunternehmen aus dem gesamten Bundesgebiet arbeiten in wichtigen Ausschüssen unserer Branche mit (z.B. im Deutschen Normungsausschuss (DIN), der Forschungsgesellschaft Straße und Verkehr (FGSV) und auf internationaler Ebene im europäischen Normungsinstitut (CEN)).
Die rechtlichen und umweltbezogenen Veränderungen in Europa, die vor allem durch die Umsetzung des Green Deals und der seit Januar 2025 in Kraft getretenen neuen EU-Bauproduktenverordnung (EU-BauPVO) beeinflusst sind, nehmen großen Einfluss auf unsere nationalen Rahmenbedingungen. Eine aktive Mitarbeit - vor allem aus dem Praxisbezug heraus - hilft, die Normen und Richtlinien auf einen Stand der Technik zu bringen, der
- innovativ,
- zukunftsgewandt und vor allem
- anwenderfreundlich bleibt.
Nur so werden die Rahmenbedingungen angewendet und gelebt.
Europäische Normung und Technische Lieferbedingungen für Gesteinskörnungen und ungebundene Gemische - Update 2026
Neue EU-Bauproduktenverordnung seit Januar 2025 in Kraft
Die neue EU-Bauproduktenverordnung (EU-BauPVO) ist am 7. Januar 2025 in Kraft getreten. Ihr Ziel ist es, harmonisierte Bedingungen für das Inverkehrbringen von Bauprodukten innerhalb der Europäischen Union zu schaffen. Ein zentraler Gedanke dabei ist der Abbau von Handelshemmnissen zwischen den Mitgliedstaaten.
Bereits im März 2022 hatte die Europäische Kommission einen Vorschlag zur Überarbeitung der bisherigen BauPVO vorgelegt. Wesentliche Schwerpunkte der Neufassung sind der Nachhaltigkeitsaspekt im Rahmen des Green Deal, die Förderung der Digitalisierung – insbesondere durch den Digitalen Produktpass (DPP) – sowie die Überwindung des Normenstaus im Bereich der harmonisierten Europäischen Normen (hEN).
Wesentliche Veränderungen
Besonders im Bereich der verpflichtenden Produktangaben ergeben sich tiefgreifende Änderungen für alle Herstellenden. Während bislang eine Leistungserklärung (Declaration of Performance, DoP) ausreichend war, ist künftig eine Leistungs- und Konformitätserklärung (DoPC) erforderlich. Diese enthält zusätzliche Informationen, z. B. zu:
- Produktsicherheit
- Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekten (z. B. Rezyklierbarkeit, Lebensdauer, Energieverbrauch)
- CO₂-Fußabdruck (Global Warming Potential, GWP)
Die Deklaration bestimmter Umweltindikatoren soll schrittweise verpflichtend eingeführt werden.
Darüber hinaus fordert die neue Verordnung produktspezifische Nachweise, die auf aktuellen Daten basieren. Zudem behält sich die Kommission vor, künftig weitere Regelungen zu erlassen – etwa zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsfaktoren in Ausschreibungen oder zur Festlegung verbindlicher RC-Quoten. Ebenfalls neu ist die Einführung eines zusätzlichen Güteüberwachungssystems „System 3+“.
Erweiterte Dokumentationspflichten im Überblick:
- Aus DoP wird DoPC: Leistungs- und Konformitätserklärung (elektronisch, menschen- und maschinenlesbar)
- Konformitätsnachweis für funktionale und sicherheitsrelevante Produkteigenschaften
- Allgemeine Produktinformationen, Sicherheits- und Gebrauchsanweisungen
- Digitaler Produktpass (DPP) mit Anbindung an die EU-Datenbank (analog zur Ökodesign-Verordnung)
Ein Problem: Viele der in der neuen EU-BauPVO vorgesehenen Umweltindikatoren sind in den aktuellen Normentwürfen noch nicht enthalten. An deren Einbindung in die Normung wird derzeit mit Hochdruck gearbeitet – dieser Vorgang ist unter dem Begriff Acquis-Prozess bekannt.
Der Dringlichkeit entsprechend werden die Merkmale in der Leistungs- und Konformitätserklärung gestaffelt nachweispflichtig.
| Ab dem 08. Januar 2026 | Auswirkungen auf den Klimawandel |
| Ab dem 09. Januar 2030 | Ozonabbau, Versauerung, Eutrophierung, photochemische Ozonbildung, Verknappung von abiotischen Ressourcen und Wassernutzung |
| Ab dem 09. Januar 2032 | Feinstaubemissionen; ionisierende Strahlung, Ökotoxizität, Humantoxizität sowie mit der Landnutzung verbundene Wirkungen |
Zeitlicher Ablauf
Die neue EU-BauPVO gilt seit dem 7. Januar 2025. Eine verpflichtende Anwendung ist jedoch erst ab dem 8. Januar 2026 vorgesehen. Für Hersteller wird die neue Verordnung dann verbindlich, sobald eine entsprechende neue Produktnorm im EU-Amtsblatt (OJEU) veröffentlicht wird.
Wichtige Begrifflichkeiten im Kontext der EU-BauPVO:
- Acquis communautaire: Gesamtheit des geltenden EU-Rechts
- Standardisation Request (SR): Offizieller Normungsauftrag der EU-Kommission an europäische Normungsorganisationen (z. B. CEN); Voraussetzung für neue harmonisierte Normen
- CEN-Normung: Europäischer Normungsprozess auf Basis eines SR
- Delegierter Rechtsakt (delegated regulatory act, del. RA): Rechtsinstrument der EU-Kommission zur Anpassung technischer Details ohne Parlamentsbeschluss
- Official Journal of the European Union (OJEU): EU-Amtsblatt; erst mit Veröffentlichung einer Norm darin wird diese für Hersteller verbindlich
Der CPR-Acquis-Prozess für die Gesteinskörnung zur Überarbeitung bestehender und zur Entwicklung neuer harmonisierter Produktnormen begann am 26. März 2025. Im Laufe des Jahres 2026 (Spätherbst) soll der Acquis-Prozess für die Gesteinskörnungen abgeschlossen sein und der Standardisation Request für die Struktur und Überarbeitung der Produktnormen erteilt werden. Bis eine neue Norm tatsächlich vorliegt, ist mit einer Dauer von zwei bis drei Jahren zu rechnen. Hinzu kommt: Eine neue Norm wird erst ein Jahr nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt verbindlich. Damit ist eine verbindliche Anwendung der neuen Produktnormen frühestens ab 2030 realistisch.
Bedeutung des „CPR Acquis”-Prozesses für die nationale Gremienarbeit
Die Gremienarbeit auf nationaler Ebene wird derzeit maßgeblich durch den sogenannten „CPR Acquis“-Prozess geprägt. Nach der erfolgreichen Einbindung der Ersatzbaustoffverordnung (EBV) in die Technischen Regelwerke der FGSV widmen sich die relevanten Ausschüsse des DIN sowie die Arbeitsgruppe Gesteinskörnungen der FGSV intensiv den Prüfnormen und Prüfverfahren, die für den Marktzugang in Deutschland von Bedeutung sind.
Die Auswahl und Nennung der in Deutschland relevanten Prüfnormen und -verfahren erfolgt unter Mitwirkung der zuständigen Behörden. Für Deutschland sind dies insbesondere das BMWSB sowie das DIBt, die im Prozess stimmberechtigt vertreten sind. Darüber hinaus sind – im Auftrag des BMDV – weitere Behördenvertretende sowie drei Vertretende nationaler Verbände eingebunden, die Mitglieder im DIN-Spiegelausschuss Gesteinskörnungen sind. Eine erweiterte Gruppe, einschließlich weiterer Verbandsvertretende aus den Landesverbänden, ist über das DIBt-Gremienportal in die Arbeit eingebunden. Sowohl im DIN-Spiegelausschuss als auch über das DIBt-Gremienprotal ist der ISTE aus dem Bereich Technik und Normung vertreten.
Ein zentraler Schwerpunkt der aktuellen Gremienarbeit besteht darin, sicherzustellen, dass relevante Prüfverfahren auch künftig im europäischen Normungsrahmen berücksichtigt werden. Ziel der europäischen Abstimmung ist es, technische Merkmale möglichst über einheitlich harmonisierte Prüfverfahren abzubilden. Nationale oder regional geprägte Verfahren – wie beispielsweise die Alkali-Richtlinie mit dem Nebelkammerversuch – stellen dabei besondere Herausforderungen dar.
Besonderer Abstimmungsbedarf besteht derzeit bei der Bewertung der Alkali-Kieselsäure-Reaktion (AKR). Bislang liegt noch kein europaweit einheitliches Prüfverfahren vor, das sowohl die verwendeten Ausgangsstoffe als auch die Betonzusammensetzung umfassend berücksichtigt. Fachgruppen aus den Bereichen Zement, Beton und Gesteinskörnungen arbeiten daher intensiv an geeigneten Lösungen auf Grundlage international anerkannter Verfahren (RILEM). Der Bundesverband MIRO begleitet diesen Prozess gemeinsam mit Vertretern der Landesverbände, Mitgliedsunternehmen und dem VDZ aktiv auf europäischer Ebene.
Aktuell plant auch der Deutsche Ausschuss für Stahlbeton (DAfStb) eine Überarbeitung der Alkali-Richtlinie.
Im Januar 2026 begann auch der CPR-Acquis-Prozess für die Straßenbaumaterialien. Hierrunter fallen neben Asphalt, Bitumen und Beton auch ungebundene Gemische. Die europäische Norm EN 13285, auf der die deutsche TL SoB-StB basiert, ist bisher nicht harmonisiert. Deshalb gelten die Vorgaben der EU-Bauprodukteverordnung aktuell noch nicht für diese Materialien. Außerdem hat sich gezeigt, dass ungebundene Gemische derzeit noch nicht im Fokus der EU-Kommission sind. Das BMV ist gegen eine Harmonisierung – wie sich am Ende die EU-KOM entscheidet bleibt abzuwarten.
Einführungserlass zur Fortschreibung der ZTV-ING – Ausgabe 2026/01
Mit dem Allgemeinen Rundschreiben Straßenbau (ARS 03/2026) des Bundesministeriums für Verkehr (BMV) vom 27. Februar 2026 (Az.: StB 24 302020502# 00001# 0012) wurde die aktualisierte Ausgabe 2026/01 der „Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für Ingenieurbauten“ (ZTV-ING) eingeführt.
Das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg hat im Zuge dessen die Fortschreibungen der ZTV-ING, der Technischen Lieferbedingungen und Technischen Prüfvorschriften für Ingenieurbauten (TL/TP-ING) sowie des Merkblatts zur bautechnischen Überwachung von Ingenieurbauten (M-BÜ-ING) eingeführt.
Das vollständige Einführungsschreiben inklusive aller Anlagen steht als PDF zur Verfügung.
Technische Hinweise für Baden-Württemberg
Besonders relevante Neuerungen für die Praxis im Land Baden-Württemberg betreffen die folgenden Punkte:
- Grobe Gesteinskörnungen – Kalksteinsplitte:
Für grobe Gesteinskörnungen, insbesondere Kalksteinsplitte, gelten spezifische technische Anforderungen. Diese sind in Anlage 3 des Einführungsschreibens und nachfolgend näher definiert. - Zemente – CEM II-M:
Der Einsatz von CEM II-M-Zementen ist nicht zustimmungspflichtig. Damit entfällt eine bisherige Hürde für den vertraglichen Einsatz dieser Zemente.
Hintergrund: Sonderregelung für Kalksteine in XF2
Die langjährig bewährte Sonderregelung für Kalksteine in der Expositionsklasse XF2 erlaubt den Einsatz regionaler Kalksteine mit einem Masseverlust von bis zu 25 M.-% im NaCl-Versuch.
Der Nachweis der Praxistauglichkeit dieser Regelung basiert auf einem Langzeit-Auslagerungsversuch, der in Zusammenarbeit mit der MPA Stuttgart durchgeführt wurde. Der Versuch an einem Autobahnabschnitt der A8 bei Hohenstadt erstreckte sich über den Zeitraum 2009 bis 2023. Die Ergebnisse bestätigen die Gebrauchstauglichkeit dieser Gesteinskörnungen für XF2-Anwendungen.
Eine Veröffentlichung, die die Ergebnisse des Langzeitversuches abbildet, ist in Bearbeitung.
Technische Forschung und fachlicher Austausch
Die Fachgruppe Sand und Kies steht im engen Austausch mit der Universität Stuttgart, Forschungsaktivitäten im Bereich Bruchflächigkeit gehen weiter.
Entwicklung eines bildbasierten Verfahrens zur automatisierten Bestimmung der Bruchflächigkeit von Gesteinskörnung mittels künstlicher Intelligenz
Die Fachgruppe Sand und Kies beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Bruchflächigkeit von Gesteinskörnungen und deren Einfluss auf Baustoffeigenschaften. Dabei zeigte sich im Rahmen verschiedener Untersuchungen und Forschungstätigkeiten im Anwendungsbereich Asphalt, dass die Gleichstellung entsprechend aufbereiteter alpiner Moräne (AME) der Kategorie C95/1 gegenüber gebrochenem Festgestein C100/0 sowohl auf Grundlage der Prüfergebnisse als auch aufgrund langjähriger positiver Praxiserfahrungen technisch gerechtfertigt ist. Insbesondere die Forderung nach C100/0 stellt sich im Hinblick auf die Bruchflächigkeit als fachlich nur eingeschränkt nachvollziehbar dar.
Da sich dieser Umstand trotz umfangreicher Forschungsarbeiten bislang nicht abschließend auflösen ließ, rückt zunehmend auch das Prüfverfahren selbst in den Fokus. Die derzeit übliche visuelle Bewertung ist mit subjektiven Einflüssen und einer vergleichsweise geringen Prüfpräzision verbunden. Vor diesem Hintergrund befindet sich die Fachgruppe derzeit im fachlichen Austausch mit Prof. Dr.-Ing. Michael Haist von der Universität Stuttgart. Gemeinsam wird die Entwicklung eines digitalen und perspektivisch KI-gestützten Verfahrens zur objektiveren und effizienteren Bestimmung der Bruchflächigkeit untersucht.
Die konzeptionellen Grundlagen und ersten Ansätze des Projekts wurden bereits erarbeitet. Bis zur praktischen Umsetzung und belastbaren Ergebnissen liegt jedoch noch ein längerer Entwicklungs- und Forschungsprozess vor.
Schulung und fachlicher Austausch zur Verbesserung der Prüfpräzision bei der Bestimmung der Bruchflächigkeit
Im Rahmen der diesjährigen Aktivitäten zum Thema Bruchflächigkeit organisierte die Fachgruppe Sand und Kies gemeinsam mit Dr. Sara Neidinger von der Technische Universität München eine praxisorientierte Fachschulung zur Bestimmung der Bruchflächigkeit nach DIN EN 933-5. Besonderer Dank gilt der KBI Kieswerk und Baustoff-Industrie Kern GmbH & Co. KG in Iffezheim für die Unterstützung bei der Veranstaltung.
Teilgenommen haben Vertreterinnen und Vertreter aus Gesteins- und Asphaltlaboren, die im Rahmen der werkseigenen Produktionskontrolle sowie der Eingangsprüfungen an Asphaltmischanlagen regelmäßig Prüfungen zur Bruchflächigkeit durchführen. Ziel der Veranstaltung war es, durch fachlichen Austausch und gemeinsame praktische Übungen die Vergleichbarkeit und Präzision der Prüfergebnisse weiter zu verbessern.
Die Schulung kombinierte einen fundierten Fachvortrag von Dr. Neidinger zu den aktuellen normativen Anforderungen und den bestehenden Herausforderungen der Prüfmethodik mit einer praktischen Laborübung. Dabei bewerteten alle Teilnehmenden identische Proben im direkten Vergleich, um Unterschiede in der subjektiven Einschätzung sichtbar zu machen und gemeinsam zu diskutieren. Ergänzt wurde die Veranstaltung durch eine Werksbesichtigung der Splittaufbereitung der KBI in Iffezheim mit Einblicken in die Herstellung von Alpine-Moräne-Edelsplitt (AME).
Die Veranstaltung zeigte erneut, dass insbesondere die subjektive visuelle Beurteilung nach DIN EN 933-5 eine zentrale Herausforderung für die Prüfpräzision darstellt. Umso wichtiger sind fachlicher Austausch, regelmäßige Schulungen sowie die Weiterentwicklung objektiver und perspektivisch digitaler Prüfverfahren.
Vorbereitete Schulungsproben.
Digitalisierung in der Baustofflogistik– INSITER berichtet
Schluss mit Schnittstellenchaos: INSITER CONNECT vereinfacht den digitalen Lieferscheinaustausch
Der digitale Lieferschein ist in der Bauwirtschaft kein Zukunftsthema mehr. In der Praxis wird der Austausch jedoch häufig durch unterschiedliche Systeme, Formate und Schnittstellen ausgebremst.
Digitale Lieferscheine brauchen vernetzte Systeme
Bau- und Rohstoffproduzenten, Bauunternehmen, Logistiker und Plattformen arbeiten mit unterschiedlichen ERP-, Waage- und Logistiksystemen. Wer Lieferscheine digital austauschen will, muss sich heute mit jedem Partner einzeln abstimmen: Formate festlegen, Systeme konfigurieren, Verfahren testen und freigeben. Jeder neue Partner bedeutet ein eigenes kleines IT-Projekt. Das kostet Zeit, bindet Ressourcen und bremst die Digitalisierung, die eigentlich Tempo bringen soll.
Einmal anbinden statt viele Einzelschnittstellen
Hier setzt INSITER CONNECT an. CONNECT ist eine neutrale Verbindungsebene für digitale Lieferscheine. Statt für jeden Geschäftspartner eine eigene Schnittstelle aufzubauen, verbinden sich Unternehmen nur einmal mit CONNECT und tauschen anschließend digitale Lieferscheine mit vielen Partnern aus.
Für Anbieter von Bau- und Rohstoffen ist das ein spürbarer Unterschied. Eine einzige Anbindung genügt, um digitale Lieferscheine an viele unterschiedliche Empfänger zu übermitteln. Das bedeutet weniger Integrations- und Supportaufwand, schnellere Rollouts neuer Kunden und deutlich weniger individuelle Sonderlösungen. Bauunternehmen erhalten über CONNECT strukturierte Lieferscheindaten, die anschließend in eigenen Anwendungen oder über angebundene Plattformen weiterverarbeitet werden können.
CONNECT vermittelt im Hintergrund
Technisch übernimmt CONNECT die Vermittlung im Hintergrund: Die Plattform empfängt die Lieferscheindaten, prüft sie, übersetzt sie automatisch in das vom Empfänger benötigte Format und leitet sie an den richtigen Adressaten weiter. Bestehende Formate und Systeme werden nicht ersetzt, sondern lediglich um eine gemeinsame Verbindungsebene ergänzt.
Der Effekt lässt sich einfach beschreiben: Ohne zentrale Drehscheibe muss potenziell jeder Lieferant mit jedem Bauunternehmen einzeln verbunden werden. Die Zahl der Verbindungen wächst mit jedem Teilnehmer. Mit CONNECT verbindet sich jeder nur einmal. Aus „jeder mit jedem“ wird „jeder mit CONNECT“.
Neutral, nachvollziehbar und offen erweiterbar
Damit Unternehmen ihre Liefer- und Geschäftsdaten bedenkenlos über die Plattform austauschen können, ist CONNECT bewusst neutral angelegt. Die Plattform bevorzugt kein System und kein Format, sondern vermittelt zwischen allen Teilnehmern. Der Datenaustausch erfolgt kontrolliert, abgesichert und nachvollziehbar, das Hosting findet in Deutschland statt.
CONNECT ist heute auf den digitalen Lieferschein fokussiert. Die zugrunde liegende Architektur ist jedoch offen angelegt. Perspektivisch lassen sich weitere Datentypen über dieselbe Verbindungsebene austauschen. Für eine Branche, die ihre Prozesse Schritt für Schritt digitalisiert, entsteht so eine tragfähige Grundlage.
INSITER CONNECT auf einen Blick
- Weniger Schnittstellenaufwand – ein Anschluss für viele Lieferscheinempfänger
- Schnellere Rollouts – neue Geschäftspartner planbarer anbinden
- Standardisierter Austausch – unterschiedliche Formate werden geprüft und übersetzt
- Bestehende Systeme weiter nutzen – CONNECT ergänzt die vorhandene Systemlandschaft
- Neutral und nachvollziehbar – kontrollierter Datenaustausch über eine gemeinsame Verbindungsebene
Mehr erfahren und Anbindung anfragen: insiter.de
Arbeitskreis Technische Öffentlichkeitsarbeit der FG Sand Kies auf Exkursion in Forbach
Am 14. Juli lud die EnBW gemeinsam mit der VSG Schwarzwald-Granit-Werke GmbH & Co. KG zu einer Besichtigung des Ausbaus des Pumpspeicherkraftwerks in Forbach ein. Das Projekt umfasst den Bau eines neuen Pumpspeicherkraftwerks mit unterirdischem Kavernenspeicher und Kavernenkraftwerk. Durch die unterirdischen Baumaßnahmen fallen rund eine Million Tonnen Granitgestein an. Dank der Zusammenarbeit mit der VSG konnte dieses Material nicht als Abfall, sondern als wertvoller Rohstoff genutzt werden. Das unter dem Slogan „Granit zu Granit“ bekannte Projekt wurde im Jahr 2025 mit dem Nachhaltigkeitspreis des MIRO ausgezeichnet.
Im Rahmen der Besichtigung erhielt der Arbeitskreis Technische Öffentlichkeitsarbeit Einblicke in den aktuellen Baufortschritt innerhalb der Kaverne. Anschließend folgte eine Führung durch das historische Rudolf-Fettweis-Werk. Zum Abschluss besuchte die Gruppe die VSG Schwarzwald-Granit-Werke GmbH & Co. KG, wo Thorsten Volkmer die Annahme, Lagerung und Verarbeitung der rund eine Million Tonnen Granit erläuterte.
Ausbau der Kaverne.
Erläuterung der Funktionsweise des alten „Rudolf-Fettweis-Werk“.
Thorsten Volkmer zeigt, wie die 1 Mio. t Granit im Werk der VSG Schwarzwald-Granit-Werke GmbH & Co.KG untergebracht werden.
Mitglieder des AK TÖAs bei der Besichtigung des Ausbaus des Pumpspeicherkraftwerks.
17. Techniktag der Schotterindustrie am 24. Juli 2025 in Kirchberg-Zwingelhausen
Der 17. Techniktag der Schotterindustrie des Industrieverbands Steine und Erden Baden-Württemberg e.V. (ISTE) fand bei der Firma „Lukas Gläser GmbH & Co. KG“ in Kirchberg-Zwingelhausen statt. Die Begrüßung und Vorstellung des Unternehmens wurden von Christoph Kübler dem Geschäftsführer übernommen. Anschließend wurden die Anwesenden von dem Vorsitzenden des Güteschutzes Naturstein Martin Weiß, Geschäftsführer der Paul Kleinknecht GmbH & Co. KG in Kupferzell begrüßt.
Die Referenten des 17. Techniktag der Schotterindustrie sowie interessierte Teilnehmende.
Nach der Begrüßung stellte Dr. Peter Antweiler, Technischer Leiter Rohstoffbetriebe der Lukas Gläser GmbH & Co. KG, das neue Schotterwerk vor. Dabei erläuterte er insbesondere die kurze und effiziente Bauphase des Werkes. Hervorgehoben wurde zudem das außergewöhnlich zügige Genehmigungsverfahren, das innerhalb von knapp einem Jahr abgeschlossen werden konnte. Maßgeblich hierfür war die enge und konstruktive Zusammenarbeit zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Kommunalpolitik sowie den zuständigen Behörden.
Zukunftsweisende Technologien wie eine moderne Entstaubungsanlage, die Steuerungstechnologie „Industrie 4.0“, das CAT-Command-System sowie eine geplante Photovoltaikanlage ermöglichen dem Unternehmen einen gleichermaßen nachhaltigen und effizienten Rohstoffabbau. Im Rahmen einer anschließenden Werksführung erhielten die Teilnehmenden die Gelegenheit, diese innovativen Ansätze vor Ort kennenzulernen und sich deren Funktionsweise erläutern zu lassen.
Werksführung durch das Schotterwerk von Lukas Gläser GmbH & Co. KG.
Gruppenfoto des 17. Techniktag der Schotterindustrie.
16. Preisverleihung der Friedrich-von-Alberti-Stiftung
Am 7. November 2025 wurde in Ingelfingen der 16. Friedrich-von-Alberti-Preis der Hohenloher Muschelkalkwerke verliehen. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis ging in diesem Jahr an den Privatpaläontologen Sönke Simonsen. Vorstand und Kuratorium der Stiftung folgten damit der Empfehlung der Paläontologische Gesellschaft.
Sönke Simonsen beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Fossilien und hat den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Fossiliensammelnden maßgeblich geprägt. Bereits im Alter von 14 Jahren begann er mit dem Aufbau einer Internetseite über Ammoniten des Unteren Jura. Im Jahr 2004 gründete er gemeinsam mit weiteren Fossilienbegeisterten die Plattform „Steinkern.de“, die sich seither zur bedeutendsten deutschsprachigen Online-Community für Fossiliensammelnde entwickelt hat. Darüber hinaus ist Simonsen seit 2008 Herausgeber und Verleger der Fachzeitschrift „Der Steinkern“, die viermal jährlich erscheint und sowohl interessierte Laien als auch Berufspaläontologinnen und -paläontologen anspricht. Im Jahr 2021 veröffentlichte er zudem in seinem eigenen Verlag das Fachbuch „Das Tertiär des Mainzer Beckens“.
Die 1997 von 20 Unternehmen gegründete Alberti-Stiftung würdigt mit ihrem alle zwei Jahre verliehenen Wissenschaftspreis herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Paläontologie. Die Auszeichnung wird abwechselnd an Berufspaläontologinnen und -paläontologen sowie an engagierte Amateurforschende verliehen.
Der Vorsitzende des Vorstands Dr. Martin Westermann (re) und der stellv. Versitzende des Kuratoriums Martin Weiß (li) überreichen dem Preisträger die Urkunde.
Der Preisträger und Dr. h.c. Hans Hagdorn mit einem bedeutenden Fossilfund.
EUROSCHOTTER-Treffen 2025 in Baden-Württemberg
Im November 2025 trafen sich die mineralischen Rohstoffverbände aus Bayern (BIV), der Schweiz (Baustoff Kreislauf Schweiz), Südtirol (Baukollegium Südtirol), Österreich (FMR) und Baden-Württemberg (ISTE) zum Euroschotter-Treffen in der Region Geisingen und am Bodensee.
Zum Auftakt erhielten die Teilnehmenden im Rahmen mehrerer Werksführungen Einblicke in die Gewinnung und Aufbereitung mineralischer Rohstoffe sowie in das Recycling mineralischer Baustoffe. Besonderes Augenmerk galt dabei dem Kalksteinbruch in Geisingen, dessen Lagerstätte durch die geologisch vielfältige Landschaft am Übergang von Baar, Hegau und Donauraum geprägt ist. Die dort gewonnenen Kalke bilden eine wichtige Grundlage für die regionale Baustoffversorgung.
Geologische und naturräumliche Einordnung der Region am Standort in Geisingen.
Besichtigung der Kiesgewinnung und der Recycling-Anlage der BBO-Bodensee/Hegau Bauschuttaufbereitung GmbH & Co. KG in Steißlingen.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand vor allem der länderübergreifende fachliche Austausch. Diskutiert wurden aktuelle Herausforderungen der Rohstoffsicherung, Genehmigungsverfahren, Kreislaufwirtschaft sowie zukünftige Entwicklungen der Branche, etwa im Bereich Digitalisierung und KI-Anwendungen. Ein zentrales Thema war die Sicherung heimischer Rohstoffvorkommen, die insbesondere in Deutschland zunehmend durch restriktive Genehmigungsbedingungen und wachsenden öffentlichen Widerstand erschwert wird. Gleichzeitig bestand Einigkeit darüber, dass der zukünftige Rohstoffbedarf nur durch das Zusammenspiel von Primär- und Sekundärrohstoffen gedeckt werden kann.
Darüber hinaus tauschten sich die Verbände über den kritischen, gesellschaftlichen Umgang (BIs) mit Gewinnungsbetrieben und die Herausforderungen moderner Kommunikation (Social Media) aus. Insbesondere die Frage, wie die Bedeutung der heimischen Rohstoffversorgung und der Kreislaufwirtschaft verständlich und wirksam vermittelt werden kann, spielte eine wichtige Rolle. Hierzu wurden Erfahrungen, Kommunikationsansätze und Kampagnen aus den einzelnen Regionen vorgestellt und diskutiert.
Das Euroschotter-Treffen bot damit erneut eine wertvolle Plattform für den persönlichen Dialog und die Vertiefung der Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg. Deutlich wurde dabei, dass Rohstoffsicherung, Kreislaufwirtschaft, gesellschaftliche Akzeptanz und regulatorische Rahmenbedingungen künftig noch stärker gemeinsam betrachtet werden müssen, um Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit langfristig miteinander zu verbinden.
15. Baustoff-Technik-Tag: Nachhaltig, smart und praxisorientiert
Der 15. Baustoff-Technik-Tag des Industrieverbands Steine und Erden Baden-Württemberg e.V. (ISTE) stand ganz im Zeichen der Zukunft. Neben einem ernüchternden Lagebericht zu dem Zustand der Brücken im Land, zeigte Dr. Tim Weirich vom Landesverkehrsministerium wie mit Hilfe von funktionalen Ausschreibungen, modularer Bauweise oder dem Einsatz von ultrahochfestem Beton die Sanierungen beschleunigt werden sollen. Einen anderen Beitrag zur Nachhaltigkeit in der Baubranche lieferte Johannes Preiß vom Landesumweltministerium mit dem Förderprogramm R-Beton.
Neben den politischen Ansätzen gab es auch verschiedene zukunftsorientierte Projekte, aus Praxis und Forschung, um die Baubranche nachhaltiger zu gestalten. Dabei ging es um bekannte Themen wie temperaturabgesenkte Asphalte, kürzere Transportwege, maximales Recycling vor Ort oder klimaneutralem bauen. Aber auch um neue Materialien, wie dem Ultra Hochleistungs-Faserverbundbaustoff (UHFB) oder klinkereffiziente Zemente.
Andere Projekte widmeten sich dem bildbasierten Verfahren zur Ermittlung der Sieblinie oder dem 1 Mio. Tonnen schweren und mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnetem Projekt „Granit zu Granit“. Aber auch Ideen wie intelligentes Regenwassermanagement für die Schwammstadt, moderne Erkundungsmethoden für die optimale Planung des Baggerbetriebs oder einem digitalen Tool, welches die Planung auf Baustellen erleichtert.
Die Referent:innen des 15. Baustoff-Technik-Tags, zusammen mit Vertreter:innen des ISTE.
Blick hinter die Kulissen des Engelbergtunnels
Am 21.05.2026 gewährte uns „Die Autobahn GmbH“ des Bundes einen exklusiven Einblick in den fast vollständig sanierten Engelbergbasistunnel auf der A81. Der Besuch ging auf einen Fachvortrag von Herr Hinz (Die Autobahn GmbH) im Rahmen der GSNSt-Mitgliederversammlung im November 2025 zurück. Damals hielt er einen äußerst interessanten und fachlich fundierten Vortrag zur baulichen und betriebstechnischen Ertüchtigung des Tunnels. Bereits während der Veranstaltung wurde deutlich, welche technischen, logistischen und organisatorischen Herausforderungen mit der Modernisierung dieses bedeutenden Verkehrsbauwerks verbunden sind.
Der Engelbergbasistunnel ist mit 2.530 m der längste und mit täglich rund 130.000 Fahrzeugen der verkehrsreichsten Tunnel Baden-Württembergs. Durch seine leistungsfähige Umfahrung des Großraums Stuttgart besitzt er eine enorme verkehrliche Bedeutung. Ursprünglich wurde er von 1995 bis 1999 errichtet. Aufgrund seines Verlaufs durch quellfähigen Anhydrit, besteht ein erhöhtes Risiko zur Volumenzunahme der Schicht, welche Schäden auf ca. 175 m in beiden Röhren verursacht hatte. Daher begann 2019 die baulich notwendigen Ertüchtigungen, welche eine Verstärkung der Tunnelinnenschale, die Aussteifung durch Stahlbetonkonstruktionen sowie die Modernisierung der Fahrbahnplatten und Zwischendecken voraussah. Gleichzeitig war es auch angedacht die Sicherheits- und Tunnelbetriebstechnik über die gesamte Tunnellänge hinweg erneuern zu lassen. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf rund 150 Millionen Euro.
Die besondere Herausforderung dieser Ertüchtigungsmaßnahme bestand im Bauen unter laufendem Verkehr. Diese Vorgehensweise führte zwar zu einer längeren Bauzeit, ermöglichte jedoch, Vollsperrungen und erhebliche Verkehrsbehinderungen weitgehend zu vermeiden. Die Umsetzung des Projekts erfolgt daher schrittweise, um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden sowie der Bauarbeitenden jederzeit zu gewährleisten. Hinzu kommt, dass die bestehende Betriebs- und Sicherheitstechnik parallel zum neuen System betrieben werden muss, bis die Sanierungsarbeiten vollständig abgeschlossen sind und final auf das neue System umgestellt werden kann.
Die Herren Hinz und Deutscher (Die Autobahn GmbH) zeigten den Teilnehmenden während einer Führung auf und unter der Fahrbahndecke, verschiedene Maßnahmen, die während der Instandsetzung ein- oder umgebaut wurden. In diesem Zusammenhang führten sie sowohl in den Abluftkanal als auch in den Medienkanal und erläuterten die Frischluftanlage, die Brandabluftanlage und die Schaltzentrale. Vor Ort wurde deutlich, welche planerischen, konstruktiven und sicherheitstechnischen Anforderungen mit einem Infrastrukturprojekt dieser Größenordnung verbunden sind. Die Exkursion vermittelte den Teilnehmenden praxisnahe und fundierte Einblicke in die Umsetzung der Maßnahmen und bot gleichzeitig Raum für fachlichen Austausch und Diskussionen innerhalb der Branche.
Inhalte und Querschnitt des Tunnels von Autobahn GmbH.
Technik und Normung – Forderung an die Politik
Die Ausschreibungspraxis orientiert sich häufig an qualitativen Maximalanforderungen, die über die tatsächlichen Erfordernisse des Verwendungszwecks hinausgehen. Dies führt zu einer ineffizienten Nutzung von regionalen Lagerstätten, erhöhtem Energieaufwand (z.B. durch zusätzliche Brechdurchgänge) und längeren Transportwegen, da lokal verfügbare Gesteinskörnungen nicht genutzt werden. Die Transportbetonindustrie ist der zuverlässige Partner der Bauwirtschaft bei der Realisierung dringend notwendiger Projekte in der d Verkehrsinfrastruktur, im Wohnungsbau oder bei der Transformation der Energiewende. beste Standsicherheit, lange Dauerhaftigkeit und bestmögliche Nachhaltigkeit sind die wesentlichen Kriterien.
Zur Stärkung der Ressourceneffizienz, Versorgungssicherheit und Klimaverantwortung braucht es:
- Produktneutrale Ausschreibungen, die technologisch gleichwertige, aber regional verfügbare Alternativen zulassen
- Verwendungsgerechte Anforderungen, d. h. eine Orientierung an den funktionalen Mindestanforderungen technischer Regelwerke statt an pauschalen Maximalstandards
- Standards im Straßenbau vereinfachen, jedoch ohne Einbußen bei der Sicherheit und Dauerhaftigkeit – neue Bauweisen sind wissenschaftlich zu begleiten und zu evaluieren.
- Vertragsbedingungen des öffentlichen Auftraggebers, die den effizienten Einsatz heimischer Roh- und Baustoffe ermöglichen.
- Stärkung der Fachkompetenz durch Einbindung qualifizierter privater Ingenieurbüros in Ausschreibung und Bauüberwachung.
- Personelle Aufstockung in den zuständigen Baubehörden und Straßenfachreferaten zur qualitätsgerechten Ausschreibung und Überwachung.
- Substanzerhalt sichern, durch verstetigte oder steigende öffentliche Bauinvestitionen.
- Verlässliche Qualitätskontrollen vor und während der Bauausführung – mit personell ausreichender Ausstattung.
- Berücksichtigung heimischer Naturwerksteine, um ökologisch fragwürdige Transporte (z. B. aus Übersee) sowie problematische Produktionsbedingungen im globalen Süden zu vermeiden.
Transportbeton und Betonpumpen – Entwicklungen und Aktivitäten
Ressourcenschonung und Speicherung von CO₂ im Beton Zum Artikel
Klimaverträgliches Bauen: Ausschreibungen mit einem Schattenpreis für CO₂-Emissionen Zum Artikel
Mit CO₂-effizienten Zementen und Betonen Treibhausgasreduzierte Betonbauwerke errichten Zum Artikel
Netzwerk Zum Artikel
Multifunktionalität der Betonbauweise Zum Artikel
Aus- und Weiterbildungsangebote für die Transportbetonindustrie Zum Artikel
Anwendung der neuen Betonnorm DIN 1045 ff. Zum Artikel
Verwaltungsvorschrift über Technische Baubestimmungen Zum Artikel
Projektübersicht aus der Arbeit des Bundesverbände Zum Artikel
Forderungen an die Politik Zum Artikel
Ressourcenschonung und Speicherung von CO₂ im Beton
Rezyklierte Gesteinskörnungen für den Einsatz in Beton sind vielfach ausgeschrieben und stehen flächendeckend zur Verfügung. Für viele Bauteile können bis 25 Vol.-% RC-Gesteinskörnung problemlos eingesetzt werden. Für die Qualität wesentlich sind sortenreine Trennung verschiedener Abbruchmaterialien sowie eine verbesserte Abtrennung des Zementsteins von der Gesteinskörnung. Die Asbestfreiheit ist durch den Aufbereiter zu gewährleisten. Erprobt ist die Verwendung von RC-Betonbrechsanden zur Herstellung nachhaltiger „R-Zemente“. Das Umweltministerium fördert als besondere Innovation die CO2-Begasung von RC-Körnungen in einem Reaktor: dadurch werden zusätzliche Mengen an CO2 dauerhaft in der Zementsteinmatrix gebunden und deren Festigkeitseigenschaften verbessert. Somit entsteht eine CO2-Senke.
Klimaverträgliches Bauen bei öffentlichen Bauvorhaben: Ausschreibungen nach dem Klimaschutzgesetz BaWü mit einem Schattenpreis für CO₂-Emissionen
Einzelne Bauweisen werden über die prognostizierten CO2-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus mit einem Schattenpreis bewertet und auf die errechneten Baukosten in der Angebotssumme aufgeschlagen. So errechnet sich der Wertungspreis. Hierdurch werden Investitionen in die Nachhaltigkeit belohnt.
Mit CO₂-effizienten Zementen und Betonen Treibhausgasreduzierte Betonbauwerke errichten
Im Vergleich zu den Nachbarländern Schweiz, Österreich und Belgien beträgt der jährliche pro Kopf Verbrauch an Beton in Deutschland weniger als die Hälfte. Die Herstellung von Beton in Deutschland ist je nach geforderter Leistungsfähigkeit im Mittel mit einem CO₂-Fußabdruck von ca. 200 kg pro m³ Beton verbunden. Die CO₂-Intensität hängt dabei in erster Linie vom eingesetzten Zement und seinem Anteil an gebranntem Kalkstein (Klinker) ab. Die CO2-Anteile aus der der Betonherstellung im Werk, der Gesteinskörnung sowie aus Fracht/Transport spielen eine untergeordnete Rolle. Insofern ist der Einsatz CO₂-effizienter Zemente im Beton ein entscheidender Hebel bei der Dekarbonisierung der Betonbauweise. CO₂-effiziente Zemente und Betone können in allen typischen Anwendungsbereichen des Hoch- und Tiefbaus verwendet werden. Das höchste Minderungspotenzial ist vor allem bei Innenbauteilen und üblichen Außenbauteilen des Hochbaus zu erwarten, denn dort werden rund 2/3 des Transportbetons in Deutschland eingesetzt. Es lassen sich ohne technische Einschränkungen bereits heute CO₂-Einsparungen von ca. 33 % pro m³ Beton im Vergleich zum Durchschnittsbeton erzielen.
Weiterhin können durch die Verwendung CO₂-effizienter Zemente oder materialeffizienter Konstruktionsweisen Emissionen reduziert werden. Hierzu zählen u.a. Hohlkörperdecken sowie Spannbetondecken. Auch hat Beton die positive Eigenschaft, CO₂ aus der Umgebungsluft aufzunehmen und dauerhaft zu binden. Die DAfStb-THG-Richtlinie ("Treibhausgasreduzierte Tragwerke aus Beton, Stahlbeton oder Spannbeton") legt praxisnahe Standards zur Minimierung und zum Nachweis von Treibhausgasemissionen bei der Herstellung und Entsorgung von Betontragwerken fest. Sie quantifiziert Emissionen über einheitliche Benchmarks, ohne die technologische Freiheit im Bauwesen einzuschränken
Insbesondere im Infrastrukturbau werden durch Verwendung robuster Betone über eine möglichst lange Lebensdauer (> 100 Jahre) hervorragende Nachhaltigkeitsaspekte erfüllt.
Die Einsparung von Energie bei der Betonherstellung und beim Transport sowie Übergabe des Betons auf der Baustelle ist unmittelbare Aufgabe der Transportbetonindustrie. Beim Transport und Übergabe des Betons werden seitens der Maschinenhersteller vollelektrische Antriebslösungen favorisiert. Weiterhin sind aufgrund Leichtbaumaßnahmen durch Gewichtseinsparungen bei Chassis und Aufbauten weitere Effizienzsteigerungen möglich. Wir begleiten wir diese Entwicklung aktiv mit.
Netzwerk
Die Fachgruppe Transportbeton ist im Netzwerk des Bundesverbandes der Deutschen Transportbetonindustrie sowie mit den Fachgruppen der angrenzenden Bundesländer eng verknüpft. Kurze Informationswege und gute Kenntnisse der regionalen Märkte bestimmen unser Handeln. Wir stehen für Fragestellungen von der Planung, Lieferung, Einbau bis hin zur Nutzung und dem Rückbau von Betontragwerken sowie zur Darlegung der Nachhaltigkeit zur Verfügung. Vielfältige Forschungsvorhaben zum Betonbau und dem Einsatz Künstlicher Intelligenz an den Universitäten Stuttgart und Karlsruhe mit deren Materialprüfanstalten sind richtungsweisend: die Komplexität der Bauherrenanforderungen zu Standsicherheit, Dauerhaftigkeit und Nachhaltigkeit, Herausforderungen aus dem Klimawandel, wachsende Vielfalt der Ausgangsstoffe sowie neuen Bauverfahren im Wohnungsbau wie z.B. Hybridbau oder beim elementierten Bauen sind herausfordernd.
Beton ist wesentlicher Baustoff zur Umsetzung der dringend anstehenden Infrastrukturprojekte aus dem Sondervermögen 2025 des Deutschen Bundestages: Verkehrswege, Bildungseinrichtungen, Energieinfrastruktur u.v.m. sind zeitnah für eine Nutzungsdauer für mindestens 50 Jahre zu errichten.
Am Ende der Nutzungsdauer können aus Betontragwerken bei sachgerechter Aufbereitung Rohstoffe wie Betonstahl, Gesteinskörnungen oder der Zementstein zurückgewonnen werden. Somit sind mineralische Baustoffe mehrfach einsetzbar, obwohl der Energieeinsatz bei deren erstmaliger Herstellung hoch ist.
Multifunktionalität der Betonbauweise
Es sind zunehmend auch die „Mehrwerte“ der Betonbauweisewelche für Bauherren und für ausführende Bauunternehmen, die immer wichtiger werden. Im Wettbewerb zur Holz-, Glas- oder Stahlbauweise schaffen multifunktionale Betonoberflächen (z.B. Sichtbeton, wasserundurchlässiger Beton, Betonfahrbahndecken, Beton in der Landwirtschaft nach DIN 11622, Betonauffangwannen als Ableit- und Rückhalteflächen in der Industrie), höchste Standsicherheit über die gesamte Lebensdauer auch bei extremen Belastungen (z.B. Brand, Verkehrslasten) oder Flexibilität beim Bauen im Bestand über viele Jahrzehnte Nutzungsdauer eindeutige Vorteile. Durch die fortschreitende Digitalisierung der Lieferkette bis hin zur bereits mit 3-D-Betondruckverfahren gebauten Wohn- und Industriegebäuden auf der Baustelle können die heute knappen Personalressourcen bestmöglich eingesetzt werden.
Zusätzlich können Betondecken bei der Klimatisierung von Büros mit Heiz- und Kühldecken zur Innenraumklimatisierung mit minimalen Betriebskosten herangezogen werden.
Aus- und Weiterbildungsangebote für die Transportbetonindustrie
Wir betreiben vielfältige, umfassende Ausbildungs- und Nachwuchsarbeit und arbeiten als Gesellschafter aktiv beim Ausbildungsprogramm der ARGE Beton mit, deren Träger die Bauwirtschaft Baden-Württemberg, das InformationsZentrum Beton, der Deutsche Beton- und Bautechnik-Verein, der Fachverband Beton- und Fertigteilwerke sowie der ISTE Baden-Württemberg sind. Die neuen Betonnormen fordern von Lieferanten und Verwendern Pflichtschulungen im Abstand von längstens 36 Monaten.
Alle angebotenen Veranstaltungen waren mit 585 Teilnehmern in der vergangenen Ausbildungsperiode sehr gut besucht. Über den Einstieg in die Grundlegen des Betons via „Basiswissen Beton“, die Vermittlung der wesentlichen Befähigungen im Kursangebot „Betonprüfer“ folgt die „E-Schein-Ausbildung“ mit vertieftem, geprüften Betonwissen für angehenden Führungskräfte in der Qualitätssicherung bei Planern, Betonwerken und Bauunternehmen.
Unsere angebotenen ARGE-Lehrgänge werden vom Europäischen Sozialfonds über das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau in Baden-Württemberg erneut erheblich bezuschusst.
Über die Bundesebene BTB findet die BTB-Fahrerschulung vielfache Anwendung. Mit der Bewerbung der Ausbildungsberufe Verfahrensmechaniker Transportbeton sowie Baustoffprüfer tragen wir zur Stärkung der Fachkräfteausbildung bei.
Anwendung der neuen Betonnorm DIN 1045 ff. bei Planern und Bauausführenden
Seit März 2025 gilt die neue Normengeneration DIN 1045:2023 verbindlich. Vielfältige Informationsveranstaltungen sind verfügbar, Anwendungshilfen wurden bereitgestellt. Bislang liegen noch wenige Erfahrungen aus der Anwendung des Betonierkonzeptes oder Betonbaukonzeptes BBQ nach neuer Norm vor.
Verwaltungsvorschrift des Umweltministeriums und des Wirtschaftsministeriums über Technische Baubestimmungen
(Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen − VwV TB, Ausgabe 10.Dezember 2025)
Die Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (VwV TB) in Baden-Württemberg regelt die konkreten technischen Anforderungen an bauliche Anlagen, Bauprodukte und Bauarten auf Basis der Landesbauordnung (LBO). Sie umfasst Regeln zur Standsicherheit baulicher Anlagen sowie zum Brandschutz, zum Wärmeschutz, zum Schallschutz, zum Gesundheitsschutz, zum Umweltschutz und zu den Planungsgrundlagen. Im Rahem der Holzbauförderungen des Landes wurden Brandschutzanforderungen für hochfeuerhemmende Bauteile bei mehrgeschossigen Holzgebäuden vereinfacht. Zeitgleich tauchen unerwartet Zweifel aus dem Brandschutz beim Einsatz von Rezyklierten Gesteinskörnung Typ 2 (RC Mischabbruch) in Beton auf. Es sind Anforderungen vorzugeben, die unabhängig von der Bauweise gelten.
ZTV-ING 2025/02, Einführungserlass BaWü (ARS 10/2025)
Neben der Zulassung von CEM-II-M-Zementen sind auch die bekannten Regelungen für den Frost-Tausalz-Widerstand für XF2 und XF4 (Abwitterung NaCl-Versuch mit 25 M.-% und 8 M.%) erfolgreich fortgeschrieben. Damit ist die Lieferfähigkeit mit regional verfügbaren Rohstoffen sichergestellt. Ferner wird die Anwendung der Normenreihe DIN 1045 im Teil 3 Massivbau als verbindlich erklärt.
Projektübersicht aus der Arbeit des Bundesverbandes der Deutschen Transportbetonindustrie e.V. sowie der Forschungsvereinigung Transportbeton e.V.:
BTB-Praxistipp (Stand März 2026): Hinweise für Transportbetonhersteller DIN 1045:2023
Mit diesem Überblick wird insbesondere auf die Teile 1000 „Grundlagen und Betonbauqualitätsklassen (BBQ)“ und 2 „Beton“ eingegangen. Es wird aufgezeigt, wie das durch die BetonBauQualitätsklassen (BBQ) eingeführte Kommunikationskonzept funktioniert und welche Anwendungsfälle für die Betonklassen ausschlaggebend sind.
BTB-Praxistipp (März 2026): Vorschriften und Regelwerke für die Arbeitssicherheit in der Transportbetonindustrie
Neben den relevanten DGUV-Vorschriften sowie -Regeln werden die BGRCI Praxishandbücher, die BG Bau Bausteine Rechtsvorschriften sowie die VDMA-Sicherheitshandbücher als Nachweis der geltenden Regelwerke gelistet.
Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung im Betonbau
Ab Ende 2026 steht ein branchenbezogener Nachhaltigkeitsbericht zur Verfügung. Dieser ist Teil des CSC-Zertifizierungssystems und erübrigt Mitgliedern ein eigenständiges Reporting. Die DAfStb-Richtlinie „Treibhausgasreduzierte Bauwerke“ liegt für erste Gewerke mit konkreten CO2 Kennwerten vor. Damit wird der Pfad zur Klimaneutralität über die Zeitachse definiert.
Emissionsreduzierter Beton – ein Beitrag zum klimaverträglichen Bauen
Ein wesentliches Element dabei soll die Entwicklung eines einheitlichen Bewertungsschemas sein, das es den Transportbetonunternehmen gestattet, die Wirkung einer oder mehrerer Maßnahmen nicht nur auf den CO2-Ausstoss, sondern auch auf die sonstigen Eigenschaften des Betons – wie mechanische Eigenschaften, Dauerhaftigkeit und Ressourcenschutz – in einem Kennwert zusammenzufassen.
Digitales Bauen: Großformatiger 3D-Druck aus Transportbeton bis 16 mm Größtkorn
Nach erfolgreichen Druckresultaten im Labormaßstab wurde nun die Übertragung auf Baustellenbedingungen vorgenommen. Neben den betontechnologischen Fragestellungen wurden auch vielversprechende Ergebnisse bei der Konzipierung eines material- und technologieadaptiven Druckkopfes für die präzise Ablage des Transportbetons entwickelt. Zwischenzeitlich wird mit der Regelwerkssetzung begonnen.
Auswirkungen erhöhter Frischbetontemperaturen auf Frisch- und Festbetoneigenschaften
Die kontinuierlichen klimatischen Veränderungen und die damit einhergehende Zunahme an Extremwetterereignissen wirken sich auch auf den Betonbau aus. Die normative Empfehlung einer maximalen Frischbetontemperatur von +30 °C (DIN 1045-3 „Bauausführung“) ist in den Sommermonaten bereits vermehrt schwer einhaltbar. Erweiterte Erstprüfungen und abgestimmte Betonzusammensetzungen wie auch Einbauverfahren auf der Baustelle sind Gegenstand der neuen Regelwerkssetzung. Dadurch zeichnet sich eine Erhöhung der zulässigen Frischbetontemperatur beim Einbau bis 35 °C ab.
Sensorik-Konzept und KI-gestütztes Assistenzsystem zur zielsicheren und effizienten Betonförderung
Die Abteilung Betonpumpen in der Fachgruppe Transportbeton des ISTE befasste sich im Rahmen der Regionalveranstaltungen (Fachgruppen der Industrieverbände Rheinland-Pfalz/Hessen, Bayern und Baden-Württemberg) sowie beim bundesweiten Erfahrungsaustausch u.a. mit Datenschnittstellen sowie Sensoren zur Erfassung der Betonströmung und Temperaturentwicklung.
Ferner wurden Fragen zur „Standsicherheit und Betrieb der Pumpe“ erörtert: das Pumpen ist Teil der Bauausführung und bedarf verbesserten Regelungen im Hinblick auf Zuständigkeiten zur Standsicherheitsprüfung beim Aufstellen der Betonpumpe.
Digitalisierung der Lieferkette
Mit dem EU Data Act und der DIN SPEC 91454 kommen Neuregelungen zur Datenerfassung, -Speicherung und -Weitergabe. Dies wird sich auf Anschaffung von Maschinen, Anlagen und deren Vernetzung unmittelbar auswirken. Datenschutz, Datenweitergabe und Prozessoptimierung durch Datenauswertung sind aktuell in der Diskussion.
Im Betonvertrieb werden mit dem elektronischen Lieferschein, der Automatisierung der Erfassung der Einbaubedingungen / Wetterprognosen im digitalem Betoniertagebuch neue Innovationen geschaffen. Ziel sind Datenstandards, die in bestehende EDV-Systeme integrationsfähig, kostengünstig und mit flexiblen Endgeräten DSGVO-konform umsetzbar sind.
Technik und Normung – Forderung an die Politik
Die Ausschreibungspraxis orientiert sich häufig an qualitativen Maximalanforderungen, die über die tatsächlichen Erfordernisse des Verwendungszwecks hinausgehen. Dies führt zu einer ineffizienten Nutzung von regionalen Lagerstätten, erhöhtem Energieaufwand (z.B. durch zusätzliche Brechdurchgänge) und längeren Transportwegen, da lokal verfügbare Gesteinskörnungen nicht genutzt werden. Die Transportbetonindustrie ist der zuverlässige Partner der Bauwirtschaft bei der Realisierung dringend notwendiger Projekte in der d Verkehrsinfrastruktur, im Wohnungsbau oder bei der Transformation der Energiewende. beste Standsicherheit, lange Dauerhaftigkeit und bestmögliche Nachhaltigkeit sind die wesentlichen Kriterien.
Zur Stärkung der Ressourceneffizienz, Versorgungssicherheit und Klimaverantwortung braucht es:
- Produktneutrale Ausschreibungen, die technologisch gleichwertige, aber regional verfügbare Alternativen zulassen
- Verwendungsgerechte Anforderungen, d. h. eine Orientierung an den funktionalen Mindestanforderungen technischer Regelwerke statt an pauschalen Maximalstandards
- Standards im Straßenbau vereinfachen, jedoch ohne Einbußen bei der Sicherheit und Dauerhaftigkeit – neue Bauweisen sind wissenschaftlich zu begleiten und zu evaluieren.
- Vertragsbedingungen des öffentlichen Auftraggebers, die den effizienten Einsatz heimischer Roh- und Baustoffe ermöglichen.
- Stärkung der Fachkompetenz durch Einbindung qualifizierter privater Ingenieurbüros in Ausschreibung und Bauüberwachung.
- Personelle Aufstockung in den zuständigen Baubehörden und Straßenfachreferaten zur qualitätsgerechten Ausschreibung und Überwachung.
- Substanzerhalt sichern, durch verstetigte oder steigende öffentliche Bauinvestitionen.
- Verlässliche Qualitätskontrollen vor und während der Bauausführung – mit personell ausreichender Ausstattung.
- Berücksichtigung heimischer Naturwerksteine, um ökologisch fragwürdige Transporte (z. B. aus Übersee) sowie problematische Produktionsbedingungen im globalen Süden zu vermeiden.






















