Tarifpolitik und Arbeitsrecht

»Verantwortungsvolle Tarifpolitik bedeutet für mich, die Leistung unserer Beschäftigten wertzuschätzen und zugleich die Zukunftsfähigkeit unserer Unternehmen zu sichern.
Nur wenn beides gelingt, können wir Arbeitsplätze, regionale Wertschöpfung und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Branche langfristig erhalten.«

Dr. Christian Körber, Heidelberg Materials AG, Heidelberg,
Vorsitzender des Sozialpolitischen Ausschusses des ISTE (seit 20.04.2026)


Dafür stehen wir

Unser Auftrag: faire und zukunftsorientierte Arbeitsbedingungen

Der ISTE steht für faire, marktgerechte und zukunftsorientierte Arbeitsbedingungen in der Steine- und Erdenindustrie. Wir setzen uns für einheitliche Standards im Flächentarifvertrag ein und entwickeln branchenspezifische Lösungen, die den besonderen Anforderungen unserer Branche gerecht werden – etwa flexible Arbeitszeitmodelle oder witterungsbedingte Kündigungen mit Wiedereinstellungszusage. Unser Ziel ist es, die Arbeitgeberseite trotz der anhaltend schwierigen konjunkturellen Lage in der Bauwirtschaft und des anhaltenden Fachkräftemangels durch moderne und wettbewerbsfähige Arbeitsbedingungen attraktiv zu positionieren.

Tarifpolitik: starke Interessenvertretung für die Branche

Die Tarifpolitik bildet das Herzstück unserer Verbandsarbeit. Als Arbeitgeberverband verhandeln wir mit der IG BAU Flächentarifverträge für die Steine- und Erdenindustrie in Baden-Württemberg, die für die Mehrheit der Beschäftigten gelten.

Die in Artikel 9 Abs. 3 des Grundgesetzes verankerte Tarifautonomie ermöglicht es uns, Entgelte und Arbeitszeiten eigenverantwortlich zu gestalten. Der Rahmentarifvertrag (RTV) bietet dabei klare Vorteile: Betriebsfrieden, Entlastung der Unternehmen, Planungssicherheit und praxisgerechte Regelungen besonders für kleine und mittlere Betriebe.

In den vergangenen Jahren haben wir gemeinsam mit der IG BAU wichtige Modernisierungen umgesetzt: Zum 01.01.2024 wurde ein modernes, einheitliches und bildungsweggerechtes Entlohnungssystem eingeführt. Im Rahmen der Entgelt-Tarifverhandlungen 2025 konnte ein weiterer Zweijahresabschluss erzielt werden.

Die Modernisierung des Rahmentarifvertrags wurde konsequent fortgesetzt. Nach Aufnahme der Verhandlungen im Februar 2024 wurden zunächst die Urlaubsregelungen (§§ 14, 15  RTV) zum 01.01.2025 neu gefasst. Insbesondere wurden im März 2026 § 6 X. RTV (Erschwerniszuschläge) sowie § 12 III. RTV (Arbeitsbefreiung unter Weiterzahlung des ausgefallenen Entgelts) modernisiert und sind zum 01.05.2026 in Kraft getreten.

Auf Bundesebene vertreten wir die Interessen unserer Mitglieder über die Sozialpolitische Arbeitsgemeinschaft Steine und Erden (SPA) in Berlin.

Sozialversicherungsrechtliche Begleitung

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Begleitung der Mitgliedsunternehmen bei der neuen Veranlagungspraxis der BG RCI. Seit 2025 werden naturstein-gewinnende Unternehmen in vielen  Fällen vollständig in die Gefahrtarifstelle 24 veranlagt (vorher teilweise getrennte Veranlagung in GT 24 Gewinnung und GT 27 Aufbereitung). Der ISTE unterstützt die betroffenen Mitgliedsunternehmen ab der Anhörung und im Widerspruchsverfahren, um die Interessen der Branche angemessen zu vertreten.

Umfassende Unterstützung für unsere Mitglieder

Der ISTE bietet seinen Mitgliedern – mit oder ohne Tarifbindung – ein breites Spektrum an Dienstleistungen: 

  • schnelle und fundierte rechtliche Beratung im Arbeits- und Sozialrecht durch unsere Rechtsabteilung, jederzeit telefonisch oder per E-Mail erreichbar, etwa bei Vertragsgestaltung, Kündigungen oder einvernehmlichen Lösungen,
  • Unterstützung bei Konflikten über Arbeitsbedingungen, vorzugsweise außergerichtlich, bei Bedarf auch vor Arbeitsgerichten,
  • Vertretung in behördlichen Verfahren,
  • Begleitung in Verhandlungen nach dem Betriebsverfassungsgesetz, mit Sozialversicherungsträgern oder Gewerkschaften,
  • kostenloser Zugang zu branchenspezifischen Musterverträgen, wie Arbeitsverträgen, Aufhebungsverträgen oder Regelungen zur Kurzarbeit,
  • Mediationsverfahren,
  • Teamcoachings und Workshops u. a. zur Konfliktprävention.

Besonders kleine und mittlere Unternehmen ohne eigene Rechtsabteilung profitieren von diesen Leistungen.

Mediation und Coaching

Seit Frühjahr 2022 bieten wir unseren Mitgliedern bei innerbetrieblichen Konflikten die Möglichkeit einer Mediation an. Dieses Angebot wird mit Erfolg von unseren Mitgliedsunternehmen genutzt. Ergänzend setzen wir mit unserem Coaching-/Workshop-Angebot auf präventive Maßnahmen, um Konflikte frühzeitig zu erkennen und eine positive Unternehmenskultur zu fördern.

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Tarifpolitik und Arbeitsrecht – Entwicklungen und Aktivitäten

Modernisierung des Rahmentarifvertrags   Zum Artikel

Einzelberatung und Prozessvertretung   Zum Artikel

Mediation und Coaching   Zum Artikel

Veranstaltungen   Zum Artikel

Entgelt-Tarifverhandlungen 2025   Zum Artikel

Forderungen an die Politik   Zum Artikel


Modernisierung des Rahmentarifvertrags

Die Tarifvertragsparteien haben den Rahmentarifvertrag (RTV) weiter modernisiert. Insbesondere wurden im März 2026 folgende Vorschriften modernisiert und sind zum 1.5.2026 in Kraft getreten:

  • § 6 X. RTV - Erschwerniszuschläge
  • § 12 III. RTV - Arbeitsbefreiung unter Weiterzahlung des ausgefallenen Entgelt

Die Urlaubsregelungen (§§ 14 und 15 RTV) wurden bereits zum 1.1.2025 neu gefasst. Die Verhandlungen zur umfassenden Überarbeitung hatten im Februar 2024 begonnen.

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Einzelberatung und Prozessvertretung

Die Beratung und Vertretung vor Arbeits- und Sozialgerichten gehören zu den Standardleistungen des Verbandes. Dazu gehört umfassende Unterstützung in Verfahren.

Der ISTE bietet seinen Mitgliedern – mit oder ohne Tarifbindung – ein breites Spektrum an Dienstleistungen:

  • Schnelle und fundierte rechtliche Beratung im Arbeits- und Sozialrecht durch unsere Rechtsabteilung, jederzeit telefonisch oder per E-Mail erreichbar, etwa bei Vertragsgestaltung, Kündigungen oder einvernehmlichen Lösungen,
  • Unterstützung bei Konflikten über Arbeitsbedingungen, vorzugsweise außergerichtlich, bei Bedarf auch vor Arbeitsgerichten,
  • Vertretung in behördlichen Verfahren,
  • Begleitung in Verhandlungen nach dem Betriebsverfassungsgesetz, mit Sozialversicherungsträgern oder Gewerkschaften,
  • Kostenloser Zugang zu branchenspezifischen Musterverträgen, wie Arbeitsverträgen, Aufhebungsverträgen oder Regelungen zur Kurzarbeit
  • Mediationsverfahren
  • Teamcoachings und Workshops u. a. zur Konfliktprävention

Besonders kleine und mittlere Unternehmen ohne eigene Rechtsabteilung profitieren von diesen Leistungen.

Aktive Gestaltung der Rahmenbedingungen
Unsere individuelle Beratung unterstützt nicht nur unsere Mitglieder, sondern hilft uns auch, frühzeitig branchenweite Herausforderungen zu erkennen. Diese können wir auf politischer Ebene, in Tarifverhandlungen oder, falls erforderlich, auf dem Rechtsweg im Sinne unserer Mitglieder angehen. So gestalten wir die Rahmenbedingungen der Steine- und Erdenindustrie aktiv mit und sichern ihre Zukunftsfähigkeit.

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Mediation und Coaching

Seit Frühjahr 2022 bieten wir unseren Mitgliedern bei innerbetrieblichen Konflikten die Möglichkeit einer Mediation an. Dieses Angebot wird mit Erfolg von unseren Mitgliedsunternehmen genutzt. Ergänzend setzen wir mit unserem Coaching-/Workshop-Angebot auf präventive Maßnahmen, um Konflikte frühzeitig zu erkennen und eine positive Unternehmenskultur zu fördern.

Nicht aufgearbeitete Konflikte beeinträchtigen häufig die Zusammenarbeit, Leistungsfähigkeit und Produktivität. Durch Mediation wird idealerweise nicht nur der Konflikt gelöst, sondern auch die Beziehung langfristig gestärkt – hin zu einer offenen Gesprächskultur. Mediation fördert eine konstruktive Problemlösung, spart Zeit und Kosten und verbessert die Zusammenarbeit.

Als freiwilliges und ergebnisoffenes Verfahren agiert die Mediatorin unabhängig und neutral. Darüber hinaus bieten wir Einzelcoachings (z. B. für Auszubildende) sowie Team- und Gruppencoachings zu Themen wie Kommunikation, Werteorientierung, Rollenklärung oder Zusammenarbeit im Team an. Sowohl Mediation als auch Coaching erbringt der ISTE als freiwillige Leistung im Rahmen seiner personellen und finanziellen Möglichkeiten und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu einem guten Arbeitsumfeld in der Branche.

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Veranstaltungen

Die wesentlichen Erkenntnisse aus Verbandsarbeit und Einzelberatung geben wir auch weiterhin regelmäßig im Rahmen unserer Schulungen weiter.

Im Jahr 2026 haben wir die Formate der Personalleiterschulungen weiterentwickelt und stärker auf Online-Angebote umgestellt (vier Termine pro Jahr zu aktuellen arbeitsrechtlichen Themen, kompakte Formate, ergänzend ein Präsenztermin pro Jahr). Bereits durchgeführt wurden u. a. Online-Schulungen am 12.02.2026, 15.04.2026 und 16.06.2026 sowie der Personalleiter-Workshop am 19.03.2026. Vorteile sind höhere Reichweite, geringerer Reiseaufwand und bessere Vereinbarkeit mit dem Tagesgeschäft.

Anfang Mai 2026 startete zudem unsere neue Workshopreihe mit dem Schwerpunktthema „Kommunikation – Feedback geben und annehmen“. Weitere Workshops zu „Resilienz“ und „Konfliktprävention“ sind in der zweiten Jahreshälfte 2026 geplant.

Am 4. November 2025 lud die Firma SCHWENK Zement GmbH & Co. KG in Allmendingen in Zusammenarbeit mit dem ISTE zu einer Informationsveranstaltung für Berufsberaterinnen und Berufsberater der Agentur für Arbeit ein. Weitere Veranstaltungen dieser Art sind geplant.

Gemeinsam mit dem Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit wurde zum vierten Mal der ISTE-Azubi-Tag organisiert und am 19. Mai 2026 in Iffezheim durchgeführt.

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Entgelt-Tarifverhandlungen 2025

Am 17. Juni 2025 wurden die diesjährigen Tarifverhandlungen über Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen in der dritten Runde zum Abschluss gebracht. Vorausgegangen waren zwei Verhandlungsrunden. Parallel einigten sich andere Steine-und-Erdentarifgebiete auf meist zweijährige Tarifabschlüsse mit – gemessen an den konjunkturellen Aussichten – recht starken Entgelterhöhungen. Trotz stark unterschiedlicher Einschätzungen der Tarifvertragsparteien verliefen die Gespräche zur Entgeltrunde 2025 in sachlicher Atmosphäre. Nach intensiven Verhandlungen in dritter Runde konnte am frühen Abend des 17. Juni schließlich folgender Tarifabschluss vereinbart werden (Eckpunkte):

Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen (Laufzeit bis 31.03.2027, 22 Monate)

  • ab dem 1.6.2025 um 2,45 % sowie
  • ab dem 1.3.2026 um weitere 3,35 %

Darüber hinaus wurde vereinbart, die bestehende Regelung zur Übernahme von Azubis nach erfolgreichem Abschluss bei persönlicher und fachlicher Eignung fortzuschreiben. Die Übernahme von geeigneten Auszubildenden erfolgt für 18 Monate.

Die Verhandlungskommission des ISTE hat den Abschluss einstimmig angenommen. Mit Blick auf die derzeitige Entwicklung in der Baustoffindustrie war dieser Abschluss sehr schwergefallen, auch wenn er sich genau im Rahmen der 2025 zahlreichen, im tarifpolitischen Umfeld der Steine- und Erdenindustrie getroffenen Tarifeinigungen hielt. Allerdings hatten auch alle Arbeitgebervertreter anerkannt, dass die Beschäftigten wegen der anhaltenden Inflation der vorhergehenden Monate kurzfristig eine deutliche Einkommenssteigerung benötigten. Die Entwicklung der Bauwirtschaft seit Sommer 2024 und in der Folge auch der Steine- und Erdenindustrie hat die Prognose der Arbeitgeber bestätigt. Sie stehen gleichwohl auch im Jahr 2025 mit großer Mehrheit hinter dem gefundenen Tarifergebnis.

ISTE-Verhandlungsführer Martin Kronimus (rechts) und IG BAU-Vorstand Carsten Burckhardt unterschreiben den neuen Tarifvertrag.

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Tarifpolitik und Arbeitsrecht – Forderungen an die Politik

Um Arbeitsplätze zu sichern, muss die Regierung gezielt wirtschaftliches Wachstum fördern, in Infrastrukturprojekte investieren und die Sozialabgaben auf Löhne und Gehälter deckeln, um die Arbeitskosten zu begrenzen.

Weitere konkrete Maßnahmen zur Modernisierung des Arbeitsrechts:

  • Unterstützung der Fachkräfteentwicklung
  • Die Förderung von Umschulungs- und Weiterbildungsprogrammen, unterstützt durch staatliche Zuschüsse, soll den akuten Fachkräftemangel in der Stein- und Erdenindustrie effektiv bekämpfen.
  • Deregulierung von Einstellungsprozessen
  • Eine Erleichterung der Einstellung von Arbeitskräften, beispielsweise durch vereinfachte Anerkennungsverfahren für ausländische Qualifikationen und die Reduzierung behördlicher Genehmigungspflichten, soll die Flexibilität bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels erhöhen.
  • Förderung flexibler Arbeitszeitregelungen.
  • Die Einführung rechtlicher Rahmenbedingungen für wöchentliche Arbeitszeitkonten und flexible Schichtpläne in der Stein- und Erdenindustrie wird angestrebt, unter Berücksichtigung von Sicherheit und Work-Life-Balance der Arbeitnehmer:innen.
  • Digitalisierung im Arbeitsrecht.
  • Die Unterstützung bei der Einführung digitaler Arbeitsverträge und -prozesse soll die administrative Belastung für Unternehmen und Arbeitnehmer:innen in der Branche spürbar reduzieren.

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