"Politik des Gehörtwerdens": zum Abschied von Ministerpräsident Kretschmann
Mit dem Ende der Amtszeit von Ministerpräsident Winfried Kretschmann geht für den ISTE eine Ära zu Ende, die die Branche nachhaltig geprägt hat. 15 Jahre vertrauensvolle Zusammenarbeit, gemeinsam gestaltete Politik und ein stets offener Dialog – das ist die Bilanz, auf die wir heute zurückblicken.
Der neue Ministerpräsident kam zur Jahreshauptversammlung
Der Beginn dieser besonderen Verbindung liegt im Jahr 2011: Kretschmann nahm als frisch gewählter Ministerpräsident die Einladung zur ISTE-Jahreshauptversammlung an – sein erster Auftritt vor Wirtschaftsvertretern nach der Vereidigung. Er erschien persönlich und mit einem unerwarteten Verkehrsmittel. Für viele in der Branche war das ein Signal: Hier ist ein Ministerpräsident, der die Steine-und-Erden-Unternehmen als echte Partner einer nachhaltigen Wirtschafts- und Rohstoffpolitik begreift. Auch für ISTE-Hauptgeschäftsführer Thomas Beißwenger war es ein besonderer Moment: Er trat damals nach 16 Jahren im Verband sein führendes Amt an – und teilte mit dem neuen Ministerpräsidenten nicht nur diesen Abend, sondern auch das Studium der Biologie an der Universität Hohenheim.
Von Kreislaufwirtschaft zur Rohstoffstrategie
In den folgenden anderthalb Jahrzehnten bewegten ISTE und Landesregierung gemeinsam viele Themen: die heimische Rohstoffversorgung als strategische Frage der Daseinsvorsorge, die Vereinbarkeit von Naturschutz und wirtschaftlicher Nutzung, ressourcenschonendes Bauen und die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen. Ein herausragender Meilenstein war die Rohstoffstrategie Baden-Württemberg 2021 – das erste umfassende strategische Dokument des Landes zur langfristigen Sicherung mineralischer Rohstoffe, an dessen Entstehung der ISTE aktiv mitgewirkt hat. Im selben Jahr durfte der Verband sein 75-jähriges Bestehen in Anwesenheit des Ministerpräsidenten feiern, der eine vielbeachtete Festrede hielt.
Eine Skulptur für die "Politik des Gehörtwerdens"
Zum Abschied überreichte der ISTE eine Skulptur mit besonderer Symbolkraft: ein steinernes Ohr aus Sonderbuchener Travertin, geschaffen vom Stuttgarter Steinbildhauer Markus Wolf. Das Motiv steht für Kretschmanns „Politik des Gehörtwerdens" – seine Überzeugung, dass gute Regierung nicht nur spricht, sondern vor allem zuhört. Der Travertin aus Sonderbuch ist dabei bewusst gewählt: In diesem Ort auf der Schwäbischen Alb besuchte Kretschmann die Volksschule – der Stein trägt damit ein Stück seiner Heimat in sich. Der Sockel der Skulptur besteht aus Recyclingbeton, gefertigt in Zusammenarbeit mit der Heinrich Feeß GmbH & Co. KG aus Kirchheim/Teck und der Kronimus AG aus Iffezheim. Er steht für das Thema, das Kretschmanns Amtszeit wie ein roter Faden durchzogen hat: Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und die konsequente Förderung von Kreislaufwirtschaft. Naturstein und Sekundärrohstoff in einem Objekt vereint – ein Bild für die Brücke, die die Steine-und-Erden-Branche täglich zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und ökologischer Verantwortung baut.
Der ISTE dankt Winfried Kretschmann für 15 Jahre offenen Dialog, gegenseitigen Respekt und echtes Gehör – und wünscht ihm für den neuen Lebensabschnitt alles Gute.
