Ingelfingen, 07.11.2025 – Mit einer festlichen Veranstaltung in der Stadthalle Ingelfingen ist am 7. November 2025 der Friedrich von Alberti-Preis der Hohenloher Muschelkalkwerke verliehen worden. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung der Friedrich-von-Alberti-Stiftung geht in diesem Jahr ungeteilt an den Privatpaläontologen Sönke Simonsen aus Bielefeld. Vorstand und Kuratorium der Stiftung folgten damit der Empfehlung der Paläontologischen Gesellschaft.
Die 1997 von 20 Unternehmen gegründete Alberti-Stiftung würdigt mit ihrem alle zwei Jahr verliehenen Wissenschaftspreis herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Paläontologie, der Lehre von den ausgestorbenen Pflanzen und Tieren. Geehrt werden im Wechsel Berufspaläontologen und Amateure.
Brückenbauer zwischen Sammlern und Wissenschaft
Hervorgehoben wurde das außergewöhnliche Engagement des Sammlers Sönke Simonsen aus Bielefeld, der seit mehr als zwei Jahrzehnten den Wissenstransfer zwischen Paläontologie und Fossiliensammlern prägt wie kaum ein anderer.
Simonsen, Jahrgang 1987, sammelt seit seiner Kindheit Fossilien und begann bereits als 14-Jähriger damit, eine Internetseite über Ammoniten aus dem Unteren Jura aufzubauen. 2004 gründete er gemeinsam mit Gleichgesinnten die Plattform Steinkern.de, die sich seither zur wichtigsten deutschsprachigen Online-Community für Fossiliensammler entwickelt hat. Neben der Website betreut er das Steinkern-Forum sowie die Social-Media-Kanäle der Community. Zugleich ist er seit 2008 Herausgeber und Verleger der Zeitschrift Der Steinkern, die viermal jährlich erscheint und sowohl interessierte Laien als auch Berufspaläontologen anspricht. 2021 veröffentlichte er im eigenen Verlag das Fachbuch Das Tertiär des Mainzer Beckens.
Mit seiner Tätigkeit fördert Simonsen den Austausch zwischen Wissenschaft und Sammlern auf bemerkenswerte Weise. Er koordinierte in den vergangenen zwanzig Jahren unzählige Beiträge, Fachbeiträge und Sammlungsberichte und sorgte dafür, dass bedeutende Fossilfunde dokumentiert und wissenschaftlichen Einrichtungen zugänglich gemacht werden. Sein bisher bedeutendster Fund, ein nahezu vollständiges Plesiosaurier-Skelett aus dem Unterjura, ist heute im LWL-Museum für Naturkunde in Münster ausgestellt. Seine besonderen Interessen gelten Fossilien aus dem gesamten Erdmittelalter – Trias, Jura und Kreide – sowie Fundstellen in Ostwestfalen, Niedersachsen und der englischen Jurassic Coast. Darüber hinaus engagiert er sich aktiv im Förderverein des Doberg-Museums Bünde.
Brückenbauer zwischen Rohstoffnutzung und Erforschung der Urwelt
Baptist Schneider, vom Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg e. V., betonte in seinem Grußwort die enge Verbindung zwischen industrieller Rohstoffgewinnung und wissenschaftlicher Erkenntnis: „Auch wir, die Unternehmen der Steine- und Erdenindustrie verstehen uns als Brückenbauer – zwischen heimischer Rohstoffnutzung und der Erforschung der Urzeitwelt. Jeder Fund hilft uns, die Entwicklung des Lebens auf unserem Planeten besser zu verstehen. Und jeder Meter Gestein erzählt eine Geschichte – manchmal tausende, manchmal Millionen Jahre alt.“
Schneider betonte zudem, die Gewinnung von wichtigen Rohstoffen gerate zunehmend unter Druck: „Viele Bürger machen sich Sorgen, wenn auch unbegründet. Die Unternehmen der Steine- und Erdenindustrie gehen sehr verantwortungsvoll und ressourcenschonend mit unserer Natur um. Wir bewahren und wir rekultivieren. In unseren Gewinnungsstätten finden viele seltene Pflanzen- und Tierarten neue Lebensräume.“
Preisübergabe im festlichen Rahmen
Das Programm des Festabends umfasste Grußworte des Ingelfinger Bürgermeisters Michael Bauer, von Mike Weise, Dezernent für Umwelt, Ordnung und Gesundheit am Landratsamt Hohenlohe und Prof. Dr. Alexander Nützel von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie. München. Die Jugendmusikschule Künzelsau sorgte für die musikalischen Beiträge.
In seinem Festvortrag gab Preisträger Simonsen Einblicke in drei Jahrzehnte Hobby-Paläontologie. Die Laudatio hielt Prof. Dr. Christian Klug vom Paläontologischen Institut und Museum der Universität Zürich.
Dr. Martin Westermann, Vorsitzender des Vorstands und Martin Weiß, stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der Friedrich von Alberti-Stiftung übergaben dem Preisträger Urkunde und Scheck, dazu noch einen in Halbleder gebundenen Reprint von Albertis Hauptwerk aus dem Jahr 1834: Beitrag zu einer Monographie des Bunten Sandsteins, Muschelkalks und Keupers, und die Verbindung dieser Gebilde zu einer Formation. Es folgte von Dr. h.c. Hans Hagdorn ein Bericht zur Stiftung und ein Schlusswort des Bürgermeisters.
Mit der Verleihung an Sönke Simonsen setzt die Stiftung ein deutliches Zeichen für die hohe Bedeutung privater Sammlerkultur – und für die Rolle der Steine- und Erdenindustrie als Brückenbauer zwischen Rohstoffgewinnung, Paläontologie und regionaler Forschung im Muschelkalkgebiet.