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09. November 2018

Auszeichnung der Hohenloher Muschelkalkwerke zum 13. Mal in Ingelfingen verliehen

Friedrich-von-Alberti-Preises für zwei Berufspaläontologen

Der mit 10 000 Euro dotierte Friedrich-von-Alberti-Preis der Hohenloher Muschelkalkwerke geht diesmal an die beiden Paläontologen Prof. Dr. Michael Krings (Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, München) und Dr. Rudolf Stockar (Museo Cantonale di Storia Naturale, Lugano). Die beiden Forscher werden ausgezeichnet für ihre Arbeiten zu fossilen Ökosystemen. Die 1997 von 20 Unternehmen begründete Alberti-Stiftung würdigt mit ihrem alle zwei Jahr verliehenen Wissenschaftspreis herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Paläontologie, der Lehre von den ausgestorbenen Pflanzen und Tieren. Geehrt werden im Wechsel Berufspaläontologen und Amateure. Die Auszeichnung wurde im Rahmen einer festlichen Veranstaltung in Ingelfingen verliehen.

Die Vorsitzenden von Vorstand und Kuratorium der Alberti-Stiftung, Dr. Martin Westermann und Frank Hippelein, überreichten den Preisträgern Urkunden und Preisgeld. Dazu gehörte ein Reprint von Albertis „Monographie“ von 1834. Die sich über Jahrzehnte erstreckendende Forschungsarbeit der Preisträger würdigten deren Laudatoren Dr. Mike Reich und Prof. Dr. Joachim Reitner.

Prof. Dr. Michael Krings erläuterte den „Landgang“ der Pflanzen im frühen Erdaltertum. Er zeigte in faszinierenden Dünnschliffbildern verkieselter Floren aus dem 420 Millionen Jahre alten schottischen „Rhynie Chert“, wie Pilzsporen in Zellen eindringen und wie sich Wirt und Invasor in wechselseitigem „Wettrüsten“ zur Wehr setzen. Solche Strategien verdeutlichen, wie Evolution funktioniert. Sie geben Aufschluss über ganz frühe Ökosysteme.

Dr. Rudolf Stockar beleuchtete die Forschungsgeschichte des rätselhaften Giraffenhalssauriers Tanystropheus. Er schlug den Bogen vom Muschelkalk zu den gleichalterigen Triasschichten im Tessin und in der Lombardei. Seine Grabungen mit modernster Technik in den Fossillagerstätten am Monte San Giorgio liefern nicht nur zusammenhängende Skelette von Sauriern und Fischen, sondern auch zartflügelige Insekten und andere Wirbellose. Die grenzüberschreitenden Ausnahme-Lagerstätten wurden von der UNESCO in die Weltnaturerbe-Liste aufgenommen.

In seinem Grußwort betonte Regierungspräsident Wolfgang Reimer den engen Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Rohstoffgewinnung: „Wissenschaft kann ohne die Mithilfe von außen und ohne die finanzielle Unterstützung von Sponsoren oft nicht überleben. Deshalb ist es besonders erfreulich, wenn sich hier im Hohenlohischen eine Gruppe von Unternehmen gefunden hat, die gewillt war, die Wissenschaft durch die Bildung einer Stiftung zu unterstützen. Ich möchte den Muschelkalkwerken für die Unterstützung der Paläontologie recht herzlich danken. Mit der Alberti-Stiftung tragen sie dazu bei, die Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeiten an die Öffentlichkeit zu bringen.“

Der Präsident des Industrieverbandes Steine und Erden Baden-Württemberg e.V. (ISTE), Peter Röhm, würdigte Steinbrüche und Gewinnungsstätten für mineralische Rohstoffe als Fenster in die Erdgeschichte: „Unsere Steinbrüche geben ein Abbild der Erdgeschichte, welche sprichwörtlich in Stein gemeißelt und aufgeschlossen ist. Gesteine aus der Zeit der Trias, insbesondere des Muschelkalks bilden heute eine wichtige Rohstoffquelle, nicht nur in Baden-Württemberg, sowohl als Schotter für den Straßenbau als auch als wunderschöne und weltweit geschätzte Werksteine.“

Dem Rohstoffabbau werde vielerorts mit Widerstand und manchmal sogar mit Hass begegnet. So jedoch komme man nicht weiter, da jedermann diese Rohstoffe benötige. Nur im offenen Gespräch verschiedener, völlig andersdenkender Meinungsträger ließen sich solche Konflikte lösen und Kompromisse finden.

Sein Verband versuche deshalb seit Jahrzehnten, Brücken zu bauen und Gräben zuzuschütten: „Der ISTE arbeitet seit über zwanzig Jahren mit Umweltverbänden zusammen. Ein aktuelles Zeugnis dieser Zusammenarbeit sind gemeinsame Vorschläge von ISTE und NABU für die in Arbeit befindliche Rohstoffstrategie des Landes. Wir versuchen Konflikte durch Kommunikation, Nach- und Umdenken im Vorfeld zu mildern und bieten der Politik dadurch schon durchdachte und von vielen Seiten beleuchtete Handlungsvorschläge an“, sagte Röhm.

1997 haben 20 im baden-württembergischen Franken ansässige Unternehmen der Schotter- und Natursteinbranche die nach dem Begründer der Trias benannte Wissenschaftsstiftung ins Leben gerufen. Zielsetzung ist die Förderung der Paläontologie, der Wissenschaft, die sich mit dem Leben in der Vorzeit, ausgestorbenen Tieren und Pflanzen und ihren Lebensbedingungen befasst. Herausragendes Ereignis der Stiftungsaktivitäten ist die Verleihung des mit 10 000 Euro dotierten Friedrich-von-Alberti-Preises. Er wird im Wechsel an Berufspaläontologen sowie an Amateurpaläontologen und Privatsammler für herausragende Einzelleistungen oder ein bedeutendes Lebenswerk auf dem Gebiet der Paläontologie verliehen. Die Preisträger erhalten neben dem Preisgeld als ideelle Beigabe einen in Halbleder gebundenen Reprint von Albertis Hauptwerk „Beitrag zu einer Monographie des Bunten Sandsteins, Muschelkalks und Keupers, und die Verbindung dieser Gebilde zu einer Formation“ aus dem Jahr 1834.

Daneben fördert die Stiftung mit Sitz in Ingelfingen (Hohenlohekreis, Baden-Württemberg) die wissenschaftliche Forschung, außerdem Aufbau, Dokumentation und Aufbereitung von Fossiliensammlungen, Maßnahmen zur Bergung, Sicherung und Präparation von Fossilfunden, ihre Präsentation im Museum und Ausstellung sowie populärwissenschaftliche Darstellungen der Erd- und Lebensgeschichte. Gefördert werden regionale paläontologische Projekte und Aktivitäten, in erster Linie im baden-württembergischen Franken (Hohenloher Land).