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Für den Leutenbacher Bürgermeister Jürgen Kiesl (mit Krawatte) ist der alte Steinbruch ein Gewinn für die Gemeinde, als Naherholungsgebiet und Rückzugsraum für seltene Arten. ISTE-Hauptgeschäftsführer Thomas Beißwenger (gelbe Jacke) freute sich über das gelungene Miteinander von Naturschutz und Industrie

Naturschutz und Industrie treffen sich im alten Steinbruch

Staatssekretär Baumann zu Gast beim ISTE-Mitgliedsunternehmen Klöpfer

Weiler zum Stein, 20.9.2017: Es sollte ein eher politisch geprägter Besuch werden - es wurde schnell ein Fachgespräch mit Schwerpunkt „Naturschutz" daraus: Auf Initiative der Bundestagskandidatin Andrea Sieber (Bündnis 90 / Grüne) war ihr Parteifreund Dr. Andre Baumann in den alten Steinbruch Weiler zum Stein des ISTE-Mitgliedsunternehmens Klöpfer GmbH & Co. KG aus Winnenden gekommen. Der Staatsekretär im Landesumweltministerium wollte sich vor Ort informieren über die Rekultivierungsmaßnahmen in dieser historischen Abbaustätte. Sein Fazit am Ende der Begehung: ein Vorzeigeprojekt, welches das gelungene Miteinander von Ökonomie und Ökologie wieder einmal illustriert.

Naturidyll, wo zuvor Rohstoffe gewonnen wurden – über die erfolgreiche Rekultivierung des alten Steinbruchs in Weiler zum Stein informierte sich jetzt der Staatssekretär im Stuttgarter Umweltministerium, Dr. Andre Baumann. Dr. Dagmar Hoffmann führte durch die ehemalige Abbaustätte und erzählte ihre bewegte Geschichte.

Dabei schien es zu Beginn eigentlich so, als wäre „der Wurm drin" bei diesem Termin. Die politische Gastgeberin Andrea Sieber war wegen Krankheit verhindert, und auch die Firmenleitung musste sich entschuldigen lassen. Doch sie konnte kompetenten Ersatz bieten: Dr. Dagmar Hoffmann, bis zum vergangenen Jahr Geologin bei dem Unternehmen und heute Referentin beim Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg e.V. (ISTE), führte die Gäste durch die ehemalige Abbaustätte.

Und sie hatte eine Menge interessanter Informationen: so gebe es den Steinbruch Weiler zum Stein schon seit 1900. Damals sei es ein kleiner Steinbruch der Gemeinde gewesen, in dem die Bürger ihre Steine selbst brachen. 1955 dann pachtete die Firma Klöpfer den Steinbruch von der Gemeinde, 1961 kaufte sie ihn. Bis zum Jahr 1994 seien hier auf einer Fläche von 8,5 ha Kalksteine des Oberen Muschelkalks abgebaut und als Gesteinskörnungen für den Verkehrswegebau, für Baustoffe und als Betonzuschlag eingesetzt worden, erläuterte die Geologin.

Staatssekretär Baumann (braune Jacke) und Kreisrätin Christine Besa (rechts) lauschten interessiert. Engagierter Naturschützer und Vogelkundler: Dr. Horst Schlüter, Vorsitzender der NABU-Gruppe Winnenden

Zwischen 1995 und 2004 sei hier noch Muschelkalk-Haufwerk aus dem Steinbruch Marbach-Rielingshausen im Schotterwerk verarbeitet sowie Bauschutt recycelt worden. Bis Ende 2007 sei die teilweise Verfüllung des Steinbruchs und Rekultivierung unternommen worden, dann habe man einen neuen, veränderten Rekultivierungsplan in enger Absprache mit der Gemeinde Leutenbach und der NABU Gruppe Winnenden entwickelt, der im August 2006 genehmigt wurde. In diesem Rekultivierungsplan habe vor allem die ökologische Vielfalt im Vordergrund gestanden.

Und das sei heute eine Erfolgsgeschichte, denn in den vergangenen Jahren hätten sich zahlreiche seltene Pflanzen- und Tierarten im Steinbruch angesiedelt. So brüteten Wanderfalken in der Felswand, es gebe Eisvögel, Teichhühner, Zwergtaucher, Fledermäuse sowie seltene Schmetterlings-, Insekten- und Amphibienarten...eine Erfolgsgeschichte für alle Beteiligten

Dr. Horst Schlüter, Vorsitzender der NABU-Gruppe Winnenden weiß viel aus eigener Erfahrung zu berichten

Beschreibung und Geschichten, die Dr. Horst Schlüter, Vorsitzender der NABU-Gruppe Winnenden, aus eigenem Erleben bestätigen konnte. Er hat zusammen mit weiteren NABU-Mitgliedern die Rekultivierung des Steinbruchs in Weiler zum Stein in Kooperation mit der Firma Klöpfer begleitet. Er stellt seine Naturbeobachtungen regelmäßig in den „Naturgucker", (www.naturgucker.de), und leitet auch zahlreiche vogelkundliche Führungen bzw. geführte Spaziergänge im ehemaligen Steinbruch Weiler zum Stein.

Für Jürgen Kiesl, Bürgermeister der Gemeinde Leutenbach, zu der Weiler zum Stein gehört, ist der frühere Steinbruch ein „Glücksfall". Früher habe die Abbaustätte für Wohlstand in der Gemeinde gesorgt. Heute, nach der erfolgten Rekultivierung, sei er ein Gewinn für Mensch und Natur und ein Rückzugsgebiet für Pflanzen und Tiere. Dieser Steinbruch sei heute ein Vorzeigeprojekt für andere Gewinnungsstätten. Kiesl würdigte auch die Firma Klöpfer, welche die Rekultivierung initiiert hatte und immer noch für die Pflegemaßnahmen zuständig ist.

Rohstoffstrategie nötig
Informationen und Einschätzungen, welche Staatssekretär Dr. Andre Baumann gerne hörte. Als ehemaliger Landesvorsitzender des NABU und heutiger Spitzenpolitiker im Stuttgarter Umweltministerium kennt er die Materie natürlich bestens. Er sei ein „Fan von renaturierten Steinbrüchen", gab er zu und betonte, dass Wirtschaft und Naturschutz, Ökonomie und Ökologie keine Gegensätze sein müssten und es darum gehe, eine Balance zwischen beiden herzustellen.

Dieser Steinbruch zeige genau das: Er sei früher eine „Wunde" in der Landschaft gewesen, habe aber heute große Bedeutung für Mensch und Natur. Genau das sei wichtig auch für zukünftige Generationen. Er wünsche sich mehr beispielhafte Gemeinden wie diese im Land. Baumann erläuterte, dass Baden-Württemberg generell ein rohstoffarmes Land sei, wenn es etwa um Kohle, Gas oder Öl ginge. Mineralische Rohstoffe aber gebe es reichlich. Die müsse man richtig nutzen. Deshalb müsse man eine Rohstoffstrategie erarbeiten, um Nachhaltigkeit, Effizienz und Ortsnähe in der Zukunft zu fördern.

ISTE-Hauptgeschäftsführer Thomas Beißwenger sagte, dass Ortbegehungen wie diese den Schutz der Artenvielfalt noch einmal hervorheben könnten. Der Steinbruch in Weiler zum Stein sei einer von mehreren Muschelkalk-Steinbrüchen der Region, in dem zur Deckung des Rohstoffbedarfs der Bevölkerung (durchschnittlich ein Kilogramm pro Einwohner und Stunde) Gesteinsmaterial abgebaut wurde. Grundsätzlich solle mit den rund 500 Gewinnungsstellen mineralischer Rohstoffe, die über die gesamte Landesfläche verteilt seien, eine dezentrale Rohstoffversorgung der Bevölkerung mit kurzen Transportwegen gewährleistet werden. Damit dies auch zukünftig möglich sei, bedürfe es einer nachhaltigen Sicherung der Rohstoffvorkommen, einer Rohstoffstrategie.

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