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Rückzugsgebiet für seltene Tier- und Pflanzenarten: Wie wertvoll die Kiesabbaustätte im Radolfzeller Stadtwald für selten gewordene Vögel, Amphibien und Käfer ist, machten Thomas Körner vom Nabu Radolfzell und Meichle + Mohr Seniorchef Dr. Rolf Mohr dem Umweltstaatssekretär Dr. Andre Baumann und ISTE Hauptgeschäftsführer Thomas Beißwenger (von links) deutlich. Bild: M+M

Kiessabbaustätten sind neue Oasen für Tier- und Pflanzenarten geworden

Baggerspuren werden zu potenziellen Biotopen
Kiesabbaustätten im Radolfzeller Stadtwald und in Steißlingen sind neue Oasen für Tier- und Pflanzenarten geworden

Radolfzell/Singen, 8.8.2017: - „Bei der Kies- und Sandgewinnung in Radolfzell werden Lebensräume von seltenen und geschützten Pflanzen- und Tierarten gefördert", stellte jetzt der Staatssekretär im baden-württembergischen Umweltministerium Andre Baumann fest, als er sich die Abbaufläche von Meichle + Mohr im Radolfzeller Stadtwald anschaute. Baumann informierte sich beim Rundgang vor allem über die Bedeutung von Kiesabbaustätten für den Naturschutz.

„Jede Baggerspur ist ein potenzielles Biotop, wenn man diese der Natur und damit sich selbst überlässt", sagte Umweltstaatssekretär Andre Baumann, als er sich mit Meichle + Mohr-Seniorchef Dr. Rolf Mohr und dem Hauptgeschäftsführer des Industrieverbandes Steine und Erden Baden-Württemberg, Thomas Beißwenger, das 120 Hektar große Abbaugebiet samt dem für den Nassabbau arbeitenden Schwimmbagger anschaute. Vor allem am Rande der Abbauflächen, aber auch auf den nach wie vor von Radladern und Lastwagen befahrenen Böden, entstanden Tümpel mit dem jetzt darin schwimmenden Froschlaich. Diese interessierten den promovierten Biologen Andre Baumann genauso, wie die Lebensräume von Kreuzkröten, Gelbbauchunken und Zauneidechsen oder die durch die Baggerschaufeln entstandenen Steilwände, in denen sich die seltenen Uferschwalben ihre Brutröhren gebaut haben.

Neue Oase für Tiere und Pflanzen: Kiesabbauunternehmer Dr. Rolf Mohr zeigte dem baden-württembergischen Umweltstaatssekretär Dr. Andre Baumann und dem ISTE-Hauptgeschäftsführer Thomas Beißwenger (von links) die Raritäten am Rande des Kiesabbaugebietes im Radolfzeller Stadtwald. Bild: M+M

Gesichtet worden seien auf den offenen Kies- Lehm- und Sandböden bereits Flussregenpfeifer, Heidelerche oder besonders rare Laufkäfer, die europaweit auf den Listen der gefährdeten Tierarten stehen. Dies seien alles Arten, die in der heutigen Kulturlandschaft kaum noch eine Überlebensmöglichkeit hätten. Dabei verwies Dr. Rolf Mohr auf die von ihm in Auftrag gegebenen und über 20 Jahre dauernden Untersuchungen im Abbaugebiet des Stadtwaldes Radolfzell und der Firma Schray im benachbarten Steißlingen. Der Landschaftsökologe Jürgen Trautner aus Filderstadt fasste diese in einem unter Fachleuten und Rohstoffabbauern für Aufmerksamkeit und jüngst mit einem Umweltpreis ausgezeichneten Buch „Entwicklung einer Kiesabbaulandschaft im Hegau am westlichen Bodensee - Ergebnisse aus Untersuchungen zur Vegetation und Fauna im Zeitraum 1992 bis 2013" zusammen. Dr. Rolf Mohr hat bereits den Auftrag für die Forschungsarbeiten und Kartierungen bis ins Jahr 2024 verlängert.

„Bei Meichle + Mohr wird gezeigt, dass Ökologie und Ökonomie zusammengebracht werden können", lobte Staatssekretär Baumann die bisherigen Arbeiten. Die Abbaustätten seien zu neuen Oasen für viele Tier- und Pflanzenarten geworden. Für Pionierarten würden auf dieser Fläche Pionierlebensräume geschaffen. Sie zeigen, wie gut es sei, dass staatlicher und privater Naturschutz und die Rohstoffindustrie enger zusammenarbeiten. Mit der gerade zu erarbeitenden Rohstoffstrategie Baden-Württembergs bringe man die nächste Stufe dieser Kooperation voran. Allen Beteiligten müsse klar sein, dass man im Land die Rohstoffe aus Baden-Württemberg brauche und sie nicht aus Übersee importieren wolle. Ziel der Rohstoffstrategie müsse sein, die natürlichen Ressourcen im Land zu nutzen und darum nachzudenken, wie regional Rohstoffversorgung sein sollte und wie darum mit möglichen Neuaufschlüssen umzugehen ist. Um zu diesem Ziel zu gelangen, müssten aber alle Beteiligten in einen Dialog treten und im Rahmen von Beteiligungs- und Aushandlungsprozessen zusammensitzen.

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