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Der Staatssekretär im Stuttgarter Umweltministerium, Dr. Andre Baumann, plädierte auf der Winterarbeitstagung der baden-württembergischen und der bayerischen Steine- und Erden-Industrie in Telfs für ein Miteinander von Rohstoffe abbauenden Unternehmen und Naturschutz. Dazu gehöre auch ein pragmatischer Umgang mit sogenannten Wanderbiotopen

„Rohstoffstrategie muss Kompromisse für Industrie und Naturschutz finden“

Telfs, 16.1.2017: Der Staatssekretär im Stuttgarter Umweltministerium, Dr. Andre Baumann, hat sich auf der Winterarbeitstagung des Industrieverbandes Steine und Erden Baden-Württemberg e.V. (ISTE) eindringlich für ein Miteinander von Steine und Erden-Industrie und Naturschutz ausgesprochen. Planungssicherheit, regionaler und dezentraler Abbau und einfachere gesetzliche Vorschriften seien im Interesse aller.

Baumann beleuchtete in seinem Vortrag vor allem die Rohstoffstrategie des Landes, welche derzeit in seinem Haus entwickelt wird. Er bekannte sich klar zum Abbau heimischer mineralischer Rohstoffe, legte aber auch großen Wert auf den bewussten und nachhaltigen Umgang mit ihnen: „Ressourceneffizienz ist unabdingbar. Wir wollen ja auch in hundert Jahren noch über Rohstoffe verfügen und sie abbauen können."

Staatssekretär Baumann im Interview mit Hauptgeschäftsfüher Thomas Beißwenger (re) und Journalist Joachim Mahrholdt (n.i.B.)

Zum Anliegen der Industrie, die Planungszeiträume zu verlängern, teilte Baumann mit, dass es zu diesem Thema bereits gute Gespräche gegeben habe: „Die Rohstoffstrategie kann da Kompromisse aufzeigen. Sie soll die Interessen der Industrie und ihrer Kunden genauso wie die verschiedenen Belange des Umwelt- und Naturschutzes berücksichtigen, die durchaus auch in Konflikt zueinander stehen können. Kompromisse sind aber möglich!"

Der Staatssekretär sprach sich für einen pragmatischen Umgang mit sogenannten Wanderbiotopen aus. Diese entstehen etwa durch Abbau- und Transporttätigkeiten in Steinbrüchen und Kiesgruben, wenn etwa in Fahrrinnen oder Pfützen Amphibien laichen. „Es kann nicht sein, dass dann der Abbaubetrieb eingestellt werden muss und Unternehmen zukünftig die Ansiedlung von Arten zu unterbinden versuchen", sagte Baumann. „Es gibt praktische Lösungen, die sowohl geschützten Arten, als auch den Unternehmen Rechnung tragen. Es geht im Naturschutz ja nur selten um das einzelne Individuum, sondern es geht um Population."

Baumann, der lange Vorsitzender des NABU in Baden-Württemberg war, betonte die Bedeutung eines landesweiten Biotopverbunds. In die „grüne Infrastruktur des Landes" sollten auch vorhandene Abbaustätten einbezogen werden. Wie neue Gewinnungsstätten auch, könnten sie zu zentralen Knotenpunkten des grünen Wegenetzes werden. Baumann: „Dies käme einem Paradigmenwechsel gleich - es ist eine völlig neue Sicht. Allerdings ist die Umsetzung alles andere als trivial."

Der Politiker sprach sich für ein dezentrales System von Abbaustätten aus. Regionalität, kurze Wege zu den Kunden und somit geringer Transportaufwand seien besonders aus klimapolitischer Sicht wünschenswert und wichtig. Er befürwortete vor den über 200 Unternehmern der baden-württembergischen und bayerischen Steine- und Erden-Industrie auch den vermehrten Einsatz von Recyclingbaustoffen. Hier habe die öffentliche Hand als Bauherr auch eine Vorbildrolle.

Da bereits rund 90 Prozent der Abbruchabfälle recycelt werden, sieht der ISTE allerdings kein Potential zur Verbesserung der Recyclingquote. Auch der vermehrte Einsatz von R-Beton, der vor allem in den wenigen Ballungsräumen des Landes sinnvoll ist, führe lediglich zu einer Verschiebung der Verwendung von RC-Material, nicht jedoch zu einer Steigerung, hieß es von Seiten des Unternehmensverbandes.

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