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Geschäftsführerin Christiane Ritter (Mitte, mit Mikro) erklärte den Exkursionsteilnehmern, wie in ihrem Kieswerk die Aufbereitung funktioniert

Von der Steinzeit bis zum Industriezeitalter

ISTE lud Geographielehrer zu einer besonderen Zeitreise

Baden-Baden, 21.10.2016: Auf geologischen Spuren durch Baden-Baden - 30 Geographielehrer unternahmen jetzt auf Einladung des Industrieverbandes Steine und Erden Baden-Württemberg e.V. (ISTE) und des Verbandes Deutscher Schulgeographen e.V. (VDSG) eine außergewöhnliche erdgeschichtliche Exkursion. Sie besuchten auf ihrer geologischen Zeitreise die Thermalquellenstadt und ihren "Hausberg", den Merkur. Gleichzeitig hatten sie Gelegenheit, bei zwei Werksbesichtigungen eine besonders naturverträgliche Rohstoffgewinnung (Firma EKS Eugen Kühl u. Söhne GmbH & Co. KG) und die Fertigung moderner Baustoffe am Beispiel von Betonsteinen (Firma Kronimus AG Betonsteinwerke) kennenzulernen.

Firmenchef Martin Kronimus stellte seine Firma vor: Das Betonsteinwerk Kronimus AG mit dem Hauptwerk in Iffezheim

„Gesteine vor Ort - Industrie zum Anfassen" - so lautete der Tenor dieser Informationstour. Am Kühlsee in Sandweier etwa erläuterte am Abbaufeld Christiane Ritter, Geschäftsführerin im Kieswerk Kühl, wie Kies gewonnen wird. „Der elektrisch betriebene Schwimmbagger gräbt so tief, wie verwertbares Material vorhanden ist", erklärte sie. Zwei Schuten für je 180 Tonnen bringen dieses dann ins nahe gelegene Kieswerk. Bevor die Gruppe sich erklären ließ, wie die Aufarbeitung genau funktioniert, zeigte Christiane Ritter einen rekultivierten Uferteil. „Kiesabbau ist ein Eingriff in die Natur, den wir wieder ausgleichen - wie hier mit neuen Flachwasserzonen", sagte die Geschäftsführerin und zeigte den Baggerseeabschnitt, der vor sieben Jahren angelegt wurde.

Das 1953 gegründete Kieswerk hat heute 14 Mitarbeiter in der Produktion, die teilweise in zwei Schichten arbeiten. „Unser Know How liegt im Massendurchsatz. Wir arbeiten 200 Tonnen pro Stunde auf", erläuterte Christiane Ritter den Pädagogen. Die Kiessande, Kies-Körnungen und Kies-Gemische finden in ihren unterschiedlichen Korngrößen Verwendung in der Betonindustrie als Bestandteile in Transportbeton, Estrich, Mörtel, Betonsteinen und Betonfertigteilen, Strassenbau, Garten- und Landschaftsbau, Sportplatzbau, etc.. Ein Kunde des Kieswerks, der viel Sand benötigt, ist das benachbarte Betonsteinwerk Kronimus AG.
Guido Maier, der technische Leiter (Mitte, mit Mikro), übernahm die Betriebsbesichtigung bei Kronimus

Das Unternehmen in Iffezheim war somit auch die nächste Station der Exkursionsteilnehmer. Über 550 Mitarbeiter in vier Werken in Deutschland und Frankreich produzieren für Kronimus Bordsteine, Mauerscheiben, Pflastersteine, Stufen oder Gestaltungselemente. Insgesamt bietet der Firmenkatalog über 600 Formate in 20 verschiedenen Farben, die auf über 400 Musteranlagen ausgestellt werden, wie Unternehmenschef Martin Kronimus erklärte.

Technikleiter Guido Maier und Marketingchef Martin Ehrentraut demonstrierten in der Praxis, was das Unternehmen aus dem Sand vom Kühlsee so alles zaubern kann. Die Exkursionsteilnehmer verfolgten die Entstehung, das Nachbearbeiten und das Schleifen von Pflastersteinen. „Durch die in Europa einzigartige Schleifanlage konnte Kronimus seine Kapazitäten im Bereich geschliffener Hochwertware verdoppeln." Der Blick in die typischen Produktionsabläufe industrieller Fertigung von der Anlieferung der Rohstoffe über die verschiedenen Herstellungsverfahren bis zur Trocknung und Lagerung moderner Betonelemente bot überdies noch genügend Zeit für Details wie diese: „Ohne Endkontrolle verlässt kein Stein unser Werk", erklärte Guido Maier und zeigte auf den Aufkleber, der sich an einer Plastikverpackung mit Steinen befindet. „Wir sind das erste deutsche Unternehmen, das sandgestrahlte Pflaster und Platten produziert hat", erzählte Firmenchef Martin Kronimus stolz und nannte einige Prestigeobjekte - wie unter anderem der Place de la République in Paris und natürlich den Betonwürfel in Baden-Baden auf dem Gipfel des Merkurs.

Merkurs Würfel: Wolfgang Kohler hat den Geologiepark auf dem Merkur konzipiert und stellte diesen den Teilnehmern vor

Davon überzeugten sich die Pädagogen selbst und fuhren mit der Merkurbahn auf den 700 Meter hohen Baden-Badener Hausberg. Mit an Bord: Experte Wolfgang Kohler, der die geologische Ausstellung „Merkurs Würfel" anschaulich erläuterte. „Die Frage ist, was verraten uns die Steine und die Erden in unserer Umgebung? Bei genauer Betrachtung eröffnen sie uns einen weiten Blick über Millionen Jahre zurück in die Zeiten, in denen noch kein menschliches Leben auf dieser Erde existierte", sagte Kohler, der sich nach dem Studium von zahlreichen Fachbüchern, tausenden Veröffentlichungen und etlichen Dissertationen und Diplomarbeiten bestens in der Materie auskennt. Der pensionierte Angestellte der Stadt Baden-Baden ist nach mehr als 40 Jahren intensiven Studiums ein anerkannter Experte auf dem Fachgebiet Geologie. Das Konzept des Lehr- und Kunstpfades, bei dem man in wenigen Schritten eine geologische Zeitreise durch Baden-Baden unternehmen kann, geht auf ihn zurück. Es ist ein gemeinsames Projekt des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord, der Stadt Baden-Baden, des ISTE sowie regionaler Unternehmen wie unter anderem der Kronimus AG.

Aufstellen zum Abschlussfoto: 30 Geographielehrerinnen und -lehrer versammeln sich um den Betonwürfel auf dem Merkur in Baden-Baden
Thomas Beißwenger, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbandes Steine und Erden Baden-Württemberg e.V. (ISTE), stellte den Pädagogen schließlich den Geokoffer vor, der für den Unterricht an allen Schulen konzipiert wurde und über die Entstehung, Gewinnung und Verwendung der heimischen Rohstoffe informiert. Geographielehrer Ulrich Leiser aus Oberkirch zum Beispiel nutzt den Koffer gern und oft in seinem Unterricht, betonte er im Gespräch mit Beißwenger. Fazit der Exkursion: „Ein tolles Programm. Das könnte unseren Schülern auch gefallen."
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